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Phytoöstrogene im Klimakterium: Welche sind empfehlenswert?
Die neu entflammte Diskussion über mögliche Risiken der Hormonersatztherapie der Wechseljahre beunruhigt zur Zeit viele Frauen. Auf ihrer Suche nach pflanzlichen Alternativen werden sie jedoch durch widersprüchliche Behauptungen oft erneut verunsichert. Der Grund: Selbst Fachleute werfen manchmal wirksame und gut erforschte Phytopharmaka gedankenlos mit anderen, ungeprüften Pflanzenstoffen in einen Topf.
So nahm kürzlich der sonst als korrekt geltende Informationsdienst „Arznei-Telegramm“ einen Einzelbericht zum Anlass, pauschal von der Verwendung aller Phytoöstrogene abzuraten. Im zitierten Fall war bei einer einzigen(!) Patientin, die zwei Jahre lang „in exzessivem Ausmaß“(!) eine Kombination(!) aus Vitaminen, Kräutern, dem Phytopharmakon Mönchspfeffer und chinesischem Engelwurz eingenommen hatte, ein Karzinom der Gebärmutterschleimhaut diagnostiziert worden.
Das Komitees Forschung Naturmedizin hält derartige Verallgemeinerungen für unseriös. Als Phytoöstrogene werden derzeit viele pflanzliche Stoffe bezeichnet, eine positive Wirkung auf die typischen Beschwerden der Wechseljahre sie ist aber nur bei bestimmten Cimicifuga-Extrakten auch tatsächlich wissenschaftlich nachgewiesen. Bei Produkten aus Soja oder Rotklee, die als Nahrungsergänzungsmittel angeboten werden, ist die Wirksamkeit nicht belegt.
Gänzlich anders stellt sich die Situation bei Phytopharmaka dar, die einen Extrakt der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) enthalten. Solche Präparate haben sich in Deutschland und in den USA bereits seit längerem bewährt. Ihre Wirksamkeit ist sowohl tierexperimentell als auch in gut dokumentierten klinischen doppelblinden und placebokontrollierten Studien belegt. Allein in den letzten Monaten sind zwei solche Studien veröffentlicht:
- Prof. Dr. W. Wuttke und seine Mitarbeiter von der Universität Göttingen verglichen in einer randomisierten, doppelblinden klinischen Studie die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Cimicifuga-Extraktes BNO 1055 mit konjugierten Östrogenen und Placebo.
Das Ergebnis: Hitzewallungen wurden vom Phytopharmakon ähnlich günstig beeinflusst wie von den Östrogenen, bei der Besserung von depressiven Verstimmungen, Nervosität, Reizbarkeit, Ängstlichkeit, Erschöpfung so wie Sexualproblemen erwies sich Cimicifuga tendenziell sogar als überlegen. Auch die Schlafqualität wurde signifikant verbessert. Besonders wichtig: Im Gegensatz zu den Östrogenen gab es keine nachteiligen Auswirkungen auf die Gebärmutterschleimhaut, ihre Dicke blieb während der gesamten Therapiedauer unverändert. Die Inhaltsstoffe des Pflanzenextraktes wirken offenbar wie die so genannten Selektiven Östrogenrezeptor-Modulatoren (SERM). Diese Ergebnisse wurden kürzlich anlässlich des 10. World Congress on the Menopause in Berlin vorgetragen.
- In Tierversuchen ist es außerdem gelungen, die günstige Wirkung von Cimicifuga-Extrakten auf die Entwicklung von Osteoporose nachzuweisen. Die Wissenschaftler T. Nisslein und J. Freudenstein aus Salzgitter konnten in einer Studie an Ratten demonstrieren, dass eine Behandlung mit einem isopropanolischen Cimicifuga-Extrakt den Knochenaufbau aktiviert. Diese Studie wurde auf dem diesjährigen Osteoporose-Kongress in Lissabon präsentiert.
Experten betonen: Der Nachweis der Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit eines Phytopharmakons gilt jeweils nur für das wissenschaftlich untersuchte Pflanzenextrakt und darf nicht unreflektiert auf die große Vielfalt unterschiedlicher Pflanzenprodukte übertragen werden.
KFN 19/2002 24. Oktober 2002
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