Johanniskraut ist auch in der Langzeitbehandlung chemischen Antidepressiva ebenbürtig

Laut „Arzneiverordnungsreport 2005“ verordnen deutsche Ärzte heute doppelt so häufig Medikamente gegen Depressionen wie vor zehn Jahren und dreimal so häufig wie 1990. Ein besonders starker Trend zeigt sich bei der Verschreibung der selektiven Serotonin-Rückaufnahme-Inhibitoren (SSRI): Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der Rezepte mit dem Wirkstoff Citalopram um 18,8 Prozent, Sertralin-Präparate nahmen um 15,2 Prozent zu. Die Wirksamkeit der SSRI gilt zwar als gut belegt, die Liste ihrer möglichen Nebenwirkungen ist jedoch beängstigend lang. Anders als bei Johanniskraut-Extrakten, die – wie aktuelle Studien zeigen – auch in der Langzeitbehandlung den chemischen Antidepressiva ebenbürtig sind.

Prof. Dr. Markus Gastpar, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Essen, stellte kürzlich in München die Ergebnisse zweier Vergleichsstudien vor.
In einer Kurzzeitstudie über sechs Wochen haben 388 Patienten mit einer mittelschweren Depression einmal täglich entweder ein Scheinpräparat (Placebo) oder 20 mg des SSRI Citalopram bzw. 900 mg des Johanniskraut-Extrakts STW 3-VI eingenommen. Die Wirksamkeit der Therapie wurde mit Hilfe der international gebräuchlichen Hamilton-Depressions-Skala beurteilt. Das Ergebnis:

  • Sowohl SSRI als auch STW 3-VI waren dem Placebo gegenüber signifikant überlegen. Das pflanzliche Arzneimittel verbesserte die depressive Verstimmung bei vergleichbar vielen Patienten, wie das synthetische Präparat.
  • Eindeutig besser schnitt Johanniskraut in der Verträglichkeit ab: Unerwünschte Nebenwirkungen gaben lediglich 17,2 Prozent der damit behandelten Patienten an, vergleichbar mit der Placebogruppe. Von den Patienten dagegen, die Citalopram erhalten haben, berichtete jeder zweite (53,2 Prozent) über unerwünschte Arzneiwirkungen.

In einer zweiten Studie verglich Professor Gastpar den Johanniskrautextrakt STW 3 in Langzeittherapie von 24 Wochen mit dem SSRI Sertralin. Dabei wurden 241 Patienten mit mittelschwerer Depression entweder mit 600 mg STW 3 oder mit 50 mg Sertralin behandelt.

  • Von Anfang an zeigte sich STW 3 mit Sertralin therapeutisch gleichwertig, nach 24 Wochen hatten 84 Prozent der Johanniskraut-Patienten auf die Therapie angesprochen, in der Sertralin-Gruppe waren es 81 Prozent.
  • Bereits nach 8 Wochen haben sich die Beschwerden in beiden Behandlungsgruppen von 23 Punkten im HAMD-Score am Anfang auf 9 Punkte unter STW 3 bzw. 8 Punkte unter Sertralin verringert. Nach 20 Wochen lagen beiden Gruppen bei 7 Punkten.

KFN 14/2005 – 21. Oktober 2005

 

16.03.2006 Heilpflanzen Beschwerden
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