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Innovationen in der Phytotherapie
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Termin: |
Mittwoch, den 27. März 2001 |
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Zeit: |
11.00 – 13.00 Uhr |
| Ort: |
PresseClub München
Marienplatz 22
80331 München |
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11.00 Uhr |
Prof. Dr. Michael Popp, Neumarkt
Begrüßung
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| 11.15 Uhr |
Prof. Dr. med. Volker Fintelmann, Hamburg
Hochwertige Phytopharmaka im Praxisalltag.
Beispiel Leberleiden.
Diskussion
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| 11:45 Uhr |
Prof. Dr. med. habil. Michael Habs, Karlsruhe
Neue Studienergebnisse aus der Phytoforschung.
Diskussion
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| 12.15 Uhr |
Mechthild Kern, Mainz
EMNID-Umfrage: Was hält die Bevölkerung von der Positivliste?
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| 12:30 Uhr |
Schlussdiskussion |
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Moderation: |
Dr. Marcela Ullmann |
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Veranstalter: |
Komitee Forschung
Naturmedizin e.V. (KFN) |
Volker Fintelmann, Hamburg
Statement zum Thema
Hochwertige Phytopharmaka im Praxisalltag: Beispiel Leberkrankheiten?
Eines der wichtigsten Organe für unsere Gesundheit ist die Leber. An ihr muss jeder Stoff, der über die Darmschleimhaut aufgenommen wird, vorbei, ehe er in den übrigen Organismus gelangen kann. Mit diesem sog. „first-pass-effect“ prüft die Leber sowohl Qualität als auch chemische Struktur aller Stoffe. Ihr Fremdstoffmetabolismus verändert diese so, dass sie unschädlich für uns werden, oder er baut sie gleich so ab, dass sie ausgeschieden werden können („Entgiftung“). Diese Funktion erfolgt sowohl mittels der Mikroorganellen in der Leberzelle (Mitochondrien, glattes und raues endoplasmatisches Reticulum) als auch eines spezifischen zellulären Immunsystems, der Endothel- und Kupfferschen Sternzellen. Bei den Ausscheidungsvorgängen spielen die Gallenbildung und deren Sekretion in den Darm eine ganz wesentliche Rolle.
Ohne Frage ist die Leber durch die Umwelt der high-tech Zivilisation starken Belastungen ausgesetzt. Dabei hat der Alkoholkonsum immer noch den größten Anteil, dazu kommen viele der modernen, synthetischen Arzneimittel und vor allem chemisch-synthetische Stoffe der Chemie, sowohl im Berufsleben als auch in Lebensmitteln, Kosmetika, in Lösungsmitteln, Farben und Lacken etc.
Es ist vor allem die Gruppe aliphatischer und organischer Kohlenwasserstoffe, die speziell lebertoxisch sind, wozu auch zahlreiche Insektizide und Herbizide („Schädlingsbekämpfungsmittel“) gehören. Dabei ist es nicht nur eine Frage der Menge solcher stofflichen Expositionen, sondern auch deren zeitlicher Dauer. Nichts schadet der Leber mehr, als wenn sie dauernd solchen Noxen ausgesetzt wird. Hat sie zwischenzeitlich Gelegenheit, sich zu „erholen“ (d.h. die Möglichkeit, die Fremdstoffe richtig abzubauen), zeigt sie eine erstaunliche Robustheit. Bei Dauerexposition wird sie dagegen anhaltend krank.
Dabei ist die reaktive Entzündung und Zellzerstörung („Hepatitis“) die gefährliche Veränderung. Als Ursache hierfür kommen hepatotrope Viren wie die Hepatitis-B- und -C-Viren (HBV, HCV) hinzu. Weltweit sind viele hundert Millionen Menschen an Hepatitis B und C erkrankt.
Die moderne Medizin hat zwar eine hochdifferenzierte Diagnostik zur Erkennung von Leberkrankheiten entwickelt, doch fehlt es ihr fast ganz an wirksamen Arzneimitteln. Hier schließt die Phytotherapie mit hochwertigen Phytopharmaka die vorhandene Lücke. Dabei sind diese auf Zellmembranschutz, Zellregeneration und Förderung der Ausscheidungsvorgänge konzentriert. Einzelne greifen auch unmittelbar in die Stoffwechselregulation der Leberzelle ein.
Wichtigste Droge sind die Früchte aus der Mariendistel (Silybum marianum), einem, Distelgewächs, das zu den Korbblütlern (Asteraceae) gehört. Verwendet wird ein spezieller Extrakt, der als Silymarin bezeichnet wurde und im wesentlichen aus 3 Flavonololisomeren besteht, die Silibinin, Silicristin und Silidianin genannt werden. Die Hauptkomponente wird im ersterem gesehen. Die pharmakologisch-experimentellen Untersuchungen wiesen als wichtigste Interaktionen mit der Leberzelle die Stabilisierung der Lipidstrukturen der Zellmembranen nach, wenn toxische Agenzien sie attackieren und zerstören, sowie eine Stimulation der Messenger-RNA in der Leberzelle, welche für die Proteinsynthese und damit auch für alle Regenerationsvorgänge verantwortlich ist. Entsprechend zeigen die zahlreichen klinischen Studien z.B. längeres Überleben bei toxisch-vermittelten Leberzirrhosen (sog. Wiener Zirrhosestudie) und eine raschere Regeneration bei akuten und chronischen Leberschädigungen.
Die Schutzfunktion für die Membran kann am eindrucksvollsten mit der spezifischen Antidotwirkung gegenüber den Knollenblätterpilzgiften alpha-Amanitin und Palloidin demonstriert werden. Starben mit der frühen Standardtherapie ca. 30 Prozent aller Vergifteten, geht die Zahl seit Etablierung der Silibinin-Infusionstherapie auf nahezu Null, wenn damit in den ersten 24 Stunden nach der Pilzmahlzeit begonnen werden kann. Silibin wurde hierfür in eine wasserlösliche Form derivatisiert. Neuere Untersuchungen zeigen für Silymarin zusätzlich eine bindegewebshemmende Eigenschaft, was bei chronischen Entzündungen mit der Tendenz zur Zirrhosebildung von großer Bedeutung ist. Schließlich sei als vierte Wirkkomponente auf die für alle Flavonoiddrogen typischen Radikalfängereigenschaften verwiesen.
Die Gelbwurz (Curcuma longa) und die Artischocke (Cynara scolymus) fördern nachhaltig die Ausscheidungskapazität (Cholerese) und stellen dadurch ebenfalls wichtige Arzneimittel zur Erhaltung oder Wiederherstellung einer gesunden Leber dar. Der vorbeugende (präventive) Charakter solcher Phytopharmaka sollte dabei zunehmend Beachtung finden.
Zusammenfassend ist die Therapie von Leberkrankheiten mit modernen, hochwertigen Phytopharmaka ein weiteres Beispiel für die Effizienz dieser Therapierichtung, welche als unverzichtbare Ergänzung der Pharmakotherapie unserer Zeit bezeichnet werden muss. Dabei sei abschließend einmal mehr auf die exzellente Verträglichkeit auch bei einer Langzeitanwendung verwiesen.
Prof. Dr. med. Volker Fintelmann
Carl Gustav Carus Akademie
Rissener Landstraße 193
D 22559 Hamburg

Michael Habs, Karlsruhe
Statement zum Thema
"Neue Studienergebnisse aus der Phytopharmakaforschung"
An Phytopharmaka werden grundsätzlich die gleichen Anforderungen gestellt, wie an chemisch-definierte Arzneimittel: Qualität, Wirksamkeit, Verträglichkeit und Unbedenklichkeit der Präparate müssen wissenschaftlich dokumentiert sein.
Das geschieht mit Hilfe von Untersuchungen, die den gleichen wissenschaftlichen Standards entsprechen und vergleichbare Versuchsanordnungen befolgen, wie Studien mit chemisch-definierten Substanzen. Dies gilt auch für klinische Untersuchungen zur Wirksamkeit. Gegenwärtig ist eine ganze Reihe solcher klinischer Studien im Gange oder kürzlich abgeschlossen worden.
So beispielsweise die sogenannte SPICE-Studie, die erste internationale, randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie, die den Einfluss des Crateagus-Spezialextrakt WS 1442® auf die Mortalität von herzinsuffizienten Patienten untersucht. Dieser Extrakt entspricht modernen Qualitätsanforderungen und ist auf 84,3 mg oligomere Procyanidine standardisiert.
Die Studie begann 1998, die Feldphase wird voraussichtlich Ende 2002 beendet sein (Holubarsch et al., Europ. J. Heart Failure; 12, 2000). Teilgenommen haben dann etwa 2.500 Patienten mit Herzinsuffizienz im Stadium NYHA II oder III sowie mit einer deutlich beeinträchtigten linksventrikulären Funktion. Im Durchschnitt werden sie über einen Zeitraum von 24 Monaten behandelt. Die Untersuchung findet an 120 Studienzentren in sieben europäischen Ländern statt.
Ein anderes Beispiel stellt die Studie von Sökeland dar, die mit 516 Patienten mit benigner Prostatahyperplasie (BPH) durchgeführt wurde (Sökeland, J. et al., Urologe (A) 36, 327 ff. (1997)). Auch diese Studie ist doppelblind randomisiert multizentrisch aufgebaut und sollte die Frage klären, inwieweit sich die Therapie mit einem pflanzlichen Kombinationspräparat aus Sabal- und Brennnesselextrakt vom Einsatz eines Finasterid-Präparates unterscheidet. Im Hinblick auf die Wirksamkeit zeigte die statistische Analyse zwischen beiden Therapiegruppen keine signifikanten Unterschiede, das Phytopharmakon wurde jedoch besser vertragen.
Nachdem einige frühere Untersuchungen die Vermutung nahe legten, dass der Therapieerfolg von Finasterid in einem Zusammenhang zum initialen Prostatavolumen steht, hat Sökeland zusätzlich versucht, auch diese These anhand einer Subgruppen-Analyse zu überprüfen. Dabei zeigte sich, dass aus seinen Daten ein solcher Zusammenhang nicht abgelesen werden kann (Sökeland, J. BJU, 86, 439 ff. (2000)). Ein Vergleich der Veränderungen im maximalen Uroflow bei mit Finasterid behandelten Patienten, die initial unterschiedliche Prostatagröße aufwiesen, zeigte, dass sich keine relevanten Unterschiede messen ließen. Dies gilt auch für den I-PSS Score. Die Ergebnisse widersprechen also der Annahme, zwischen der klinischen Wirksamkeit der Finasterid-Therapie und dem Prostatavolumen bestehe eine Korrelation. Dies spricht also nicht dafür, bei Prostatagrößen über 40 ml bevorzugt Finasterid einzusetzen.
Die klinische Forschung konzentriert sich neben den etablierten Zielparametern zusätzlich immer mehr auch auf Aspekte der Lebensqualität, wie funktioneller Status, emotionale Stabilität oder die Fähigkeit zur sozialen Interaktion.
Eine der Studien, die gerade bei solchen Parametern interessante Ergebnisse hervorgebracht haben, ist die Untersuchung von Pöppel und Mitarbeitern vom Institut für medizinische Psychologie der Universität München. Die Forscher haben in einer doppelblinden randomisierten placebokontrollierten Studie die Effekte von Ginkgo-Spezialextrakt EGb 761® auf die psychischen Funktionen von 66 gesunden Personen untersucht. An dieser 4-wöchigen Studie nahmen Probanden im Alter von 50 bis 65 Jahren teil. Sie erhielten zweimal täglich 120 mg EGb 761® oder Placebo und mussten sich dann 15 neuropsychologischen Testverfahren unterziehen.
Positive Effekte konnten bei diesen gesunden Probanden nach Gabe des Ginkgo-Extraktes bei emotionaler Einschätzung, willkürlicher motorischer Bewegung, selbstbewerteter mentaler Gesundheit und genereller Aufmerksamkeit beobachtet werden. Innerhalb der psychischen Funktion „Aktion/Reaktion“ beispielsweise wurde eine Verbesserung der peripheren Komponenten der Bewegung festgestellt. Dies ist bei älteren Personen ein wichtiges Kriterium für die Verbesserung bzw. den Erhalt ihrer Alltagsfähigkeiten. Die Gruppe, die Ginkgo einnahm, wies zudem eine höhere Konzentrationsfähigkeit über einen längeren Zeitraum auf. Eine Veränderung der Leistung beim Lernen oder im Erinnerungsvermögen wurde dagegen nicht beobachtet. Anders als bei Patienten mit kognitiven Beeinträchtigungen, deren kognitiven Fähigkeiten sich nach einer Ginkgo-biloba-Behandlung wie wiederholt belegt bessern (Cieza et al., Publikation in Vorbereitung, 2001).
Ein weiteres Beispiel für den Einsatz neuer Methoden in der Phytotherapie-Forschung ist die dreijährige Kohortenstudie mit Herzinsuffizienz-Patienten (NYHA II), die mit Weißdornextrakt WS 1442® behandelt werden. Start der Studie war 1999. Die erste Kohorte umfasst Patienten, die Weißdornextrakt einnehmen. In der zweiten Kohorte werden die Patienten mit einer anderen Standardtherapie, z. B. ß-Blocker behandelt. Zum Erfassen der gesundheitsrelevanten Lebensqualität der Patienten wird die EuroQoL 5D angewendet. Aufgrund der signifikanten Unterschiede zwischen den Kohorten in ihrer Demographie wurde die Matched-pairs-Technik angewendet, bei der Paare gebildet werden, die im Geschlecht, Alter (+/- 5 Jahre), Vor und Begleiterkrankungen (KHK, Hypertonie, Kardiomyopathie, Zustand nach einem Myokardinfarkt) korrespondieren. Auf diese Weise konnten 292 Paare, die miteinander vergleichbar sind, gebildet werden. Die ersten Ergebnisse zur gesundheitsrelevanten Lebensqualität basieren auf der Auswertung von 143 Paaren nach 6 Monaten Beobachtungszeit. Demnach verbesserte sie sich bei den mit Weißdorn behandelten Patienten signifikant besser als in der Vergleichsgruppe. Das Endergebnis wird jedoch erst 2003 erwartet.
Eine weitere Studie mit einem Phytopharmakon, die den aktuellen wissenschaftlichen Anforderungen entspricht, ist die kürzlich abgeschlossene Untersuchung mit einem Weidenrinden-Extrakt bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen (S. Chrubasik et al., Am. Jour. of Med. Vol 109, No.1, 2000). Auch hier handelt es sich um eine randomisierte placebokontrollierte Studie, an der 210 Patienten mit chronischen Rückenproblemen teilgenommen haben. Sie wurden über vier Wochen entweder mit 120 bzw. 240 mg eines Weidenrinden-Extrakts oder mit Placebo behandelt. Wie die statistische Auswertung ergeben hat, konnte in der Gruppe mit der höher dosierten Weidenrinden-Therapie bereits nach einer Woche die Anzahl schmerzfreier Tage deutlich gesteigert werden. Sowohl im Vergleich zum Placebo als auch zu niedrigdosierten Therapie erwies sich der hochdosierte Weidenrinden-Extrakt als überlegen.
Bei der Bewertung von Phytopharmaka muss allerdings stets beachtet werden, dass die Studienergebnisse eines Extraktes nicht automatisch auf andere Präparate aus derselben Pflanze übertragbar sind.
Jeder nach einem gesondertem Verfahren hergestellte Extrakt stellt einen gesonderten Wirkstoff dar, und erst der Extrakt in der spezifischen Galenik, also in der konkreten Zubereitungsform, wie er in einem bestimmten Präparat vorliegt, bedingt seine spezifischen pharmakologischen Wirkungen. Für die Sicherung seiner klinischen Wirksamkeit ist natürlich noch der richtige, also indikationsgerechte Einsatz notwendig.
Prof. Dr. med. habil. Michael Habs,
Vorsitzender des KFN-Kuratoriums,
Professor am Walther Straub Institut
der Universität München,
Geschäftsführer der
Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel
Willmar-Schwabe-Straße 4
D - 76227 Karlsruhe

Mechthild Kern, Mainz
Statement zum Thema
"EMNID-Umfrage: Was hält die Bevölkerung von der Positivliste?"
Wie vom Gesetzgeber beschlossen, soll im Laufe dieses Jahres von einer eigens für diese Aufgabe berufenen Kommission ein Verzeichnis verordnungsfähiger Arzneimittel zusammengestellt werden die sogenannte Positivliste. In der Zukunft sollen dann zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) nur die in dieser Liste aufgeführten Arzneimittel verordnet werden dürfen.
Wie die Handhabung der pflanzlichen Medikamente aussehen soll, ist allerdings nicht eindeutig festgelegt worden. So wie das Gesetz formuliert ist, wäre es möglich, pflanzliche Präparate genauso wie die chemisch definierten Medikamente in den Hauptteil dieser Liste aufzunehmen, gleichzeitig ist aber für die Präparate der sogenannten besonderen Therapierichtung ein Anhang vorgesehen, in den neben pflanzlichen noch homöopathische und anthroposophische Medikamente aufgenommen werden sollen. Damit schließt sich die neue Gesundheitsministerin dem Konzept ihrer Vorgängerin unterschiedslos an.
Nach Einschätzung der DGVP ist der Griff zur Positivliste grundsätzlich ein ungeeignetes Mittel, um die Qualität der Versorgung zu sichern oder Kosten zu senken.
Wir befürchten unabhängig davon einen erheblichen bürokratischen Mehraufwand, da die Aufstellung der Positivliste zusätzlich zum Zulassungsverfahren für Arzneimittel erfolgt. Sorgfältige und zügige Zulassungsverfahren jedoch können eine aufwendige Positivliste ersetzen und sind nach Auffassung der DGVP sowohl im Hinblick auf die Qualitätssicherung für den Patienten als auch für die Kostenentwicklung der bessere Weg.
Bevor die konkreten Vorschläge der Sachverständigenkommission aber vorliegen und die Patienten womöglich vor fertige Tatsachen gestellt werden, wollte die Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten e.V. (DGVP) jetzt wissen, was die Öffentlichkeit von dieser Liste hält und was sie von ihr auch im Hinblick auf pflanzliche Medikamente - erwartet. Wir haben deshalb das EMNID-Institut beauftragt, eine repräsentative Umfrage im ganzen Bundesgebiet durchzuführen. Dabei wurden 1124 Privatpersonen älter als 14 Jahre im Zeitraum vom 12. bis 19. Februar 2001 interviewt.
Hier einige der wichtigsten Ergebnisse:
Mit der Frage „Halten Sie die Einführung einer Positivliste für sinnvoll?“ wurde zunächst die grundsätzliche Bewertung des Vorhabens ermittelt.
Die geplante Positivliste findet lediglich bei 32 Prozent der Bundesbürger eine Zustimmung.
- 43 Prozent lehnen sie eindeutig ab, in den neuen Bundesländern hält sogar jeder zweite Bürger (53 Prozent) dieses Vorhaben nicht für sinnvoll.
- Nach Berufsgruppen und Bildungsgrad aufgelistet zeigt sich, dass mit wachsender Qualifikation auch die Ablehnung gegenüber der Positivliste wächst.
- Keine wesentlichen Unterschiede gibt es dagegen in der Bewertung des Vorhabens zwischen älteren und jüngeren Bürgern oder zwischen Frauen und Männern.
Eine der Ursachen für die breite Ablehnung dürfte darin begründet sein, dass die Bürger anders als das Bundesministerium für Gesundheit nicht annehmen, dass durch die eingeschränkte Zahl der Arzneimittel die Qualität der medikamentösen Versorgung verbessert werden kann. Im Gegenteil.
49 Prozent der Befragten gaben an, von der Positivliste „eher“ oder „in jedem Falle“ eine Verschlechterung der Versorgung zu erwarten.
- Diese Meinung vertraten die Bürger aus Ost und West in etwa gleich häufig. Sogar auf der Ebene der einzelnen Bundesländer ausgewertet, waren kaum Unterschiede festzustellen. Bei der Vergabe von Noten von 1 (wird sich verbessern) bis 5 (wird sich in jedem Falle verschlechtern) unterschied sich die durchschnittliche Bewertung pro Bundesland kaum. Die beste Note lag bei 3,2, die schlechteste bei 3,8.
- Auch Frauen und Männer und Junge und Alte waren sich bei der Beurteilung der Auswirkungen einer Positivliste einig: Knapp jeder zweite erwartet dadurch Qualitätsverluste in Kauf nehmen zu müssen.
Wie sehr die Bundesbürger eine adäquate Versorgung mit pflanzlichen Medikamenten auch im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung für wichtig halten, wiederspiegeln die Antworten auf die Frage zur Einordnung der Phytopharmaka auf dieser Liste sollte sie tatsächlich erstellt werden.
Auf die Frage, ob pflanzliche Präparate in die Positivliste aufgenommen werden sollten, haben 91 Prozent(!) der Gefragten mit „ja“ geantwortet
- Lediglich 6 Prozent der Bundesbürger wünschen nur chemische Arzneimittel auf der Liste.
- Ähnlich wie bei der Beurteilung der Auswirkungen der Positivliste auf die Qualität der medikamentösen Versorgung, waren sich auch bei der Befürwortung der Phytopharmaka die Bundesbürger durch alle Regionen, Schichten und Altersgruppen im wesentlichen einig.
- Einige Unterschiede gab es lediglich bei der Beurteilung der Wichtigkeit einzelner Krankheitsbilder:
- Bei pflanzlichen Mitteln gegen Herzinsuffizienz haben sich insgesamt 79 Prozent der Befragten dafür ausgesprochen, sie in die Positivliste aufzunehmen, 10 Prozent waren dagegen. Die positive Bewertung dieser Medikamentengruppe steigt zwar mit zunehmendem Alter von 69 Prozent bei den bis 29jährigen bis zu 85 Prozent bei den über 50jährigen ansonsten gab es aber keine Unterschiede in der Bewertung zwischen einzelnen Regionen oder Gruppen.
- Bei pflanzlichen Mitteln gegen Hirnleistungsstörungen haben sich insgesamt 77 Prozent der Befragten für eine Aufnahme in die Positivliste ausgesprochen, 11 Prozent waren dagegen. Bei diesen Präparaten sind die Bürger im Westen die größeren Befürworter der Aufnahme (79 Prozent) als die im Osten (71 Prozent) und auch Frauen sehen hier einen größeren Handlungsbedarf (81 Prozent) als Männer (74 Prozent).
- Bei pflanzlichen Mitteln gegen Prostatabeschwerden befürworten 75 Prozent der Befragten eine Aufnahmen in die Positivliste, 10 Prozent sind dagegen. Obwohl von dieser Therapie vor allem ältere Männer profitieren, sind Männer und Frauen genauso häufig für eine Aufnahmen und auch zwischen Jüngeren und Älteren gibt es kaum Unterschiede in der Beurteilung.
- Bei pflanzlichen Mitteln gegen Venenbeschwerden befürworten 74 Prozent der Befragten eine Aufnahmen in die Positivliste, 12 Prozent sind dagegen. Bei dieser Medikamentengruppe gibt es allerdings große Unterschiede in der Beurteilung zwischen einzelnen Gruppen. Während sie 76 Prozent der Bürger in Westen in die Positivliste aufnehmen möchten, sind es im Osten lediglich 64 Prozent. Ähnlich stark ist der Unterschied zwischen Frauen (80 Prozent für eine Aufnahmen) und Männern (67 Prozent dafür). Beruf, Bildung oder Einkommen spielen dagegen bei der Beurteilung dieser Medikamente keine Rolle.
- Bei pflanzlichen Mitteln gegen chronische Erkrankungen der Nasennebenhöhlen haben sich insgesamt 72 Prozent der Befragten dafür ausgesprochen, sie in die Positivliste aufzunehmen, 15 Prozent waren dagegen. Im Westen hat diese Therapie mehr Befürworter (74 Prozent) als im Osten (67 Prozent) und Frauen finden es wichtiger, sie auf Kassenrezept verordnet zu bekommen (76 Prozent) als Männer (69 Prozent). Keine Unterschiede ergaben sich dagegen zwischen Gruppen, die nach dem Alter der Befragten oder deren Bildung und Einkommen aufgeteilt waren.
- Bei pflanzlichen Mitteln gegen depressive Verstimmung oder Angst befürworten 69 Prozent der Bundesbürger eine Aufnahmen in die Positivliste, 16 Prozent sind dagegen. Bei dieser Medikamentengruppe bestehen allerdings große Unterschiede in der Beurteilung zwischen einzelnen Gruppen. Im Westen möchten 65 Prozent der Befragten die Präparate in die Positivliste aufgenommen sehen, im Osten sind es lediglich 57 Prozent der Befragten. Auch die Meinung zwischen Frauen 74 Prozent dafür und Männern 63 Prozent dafür fiel ziemlich uneinheitlich aus. Starke Unterschiede waren außerdem zwischen den einzelnen Gruppen zu verzeichnen, die nach Bildungsgrad aufgesplittert waren. Grob ausgedrückt gilt, je höher die Bildung, desto höher die Bewertung dieser Medikamente: Nur 49 Prozent der ungelernten Arbeiter, aber 75 Prozent der Abiturienten sprachen sich für die Aufnahme dieser Präparate in die Positivliste aus.
- Bei pflanzlichen Mitteln gegen Wechseljahrbeschwerden befürworten 66 Prozent der Befragten eine Aufnahmen in die Positivliste, 16 Prozent sind dagegen. Erwartungsgemäß sind bei dieser für Frauen bestimmten Medikamentengruppe mehr Frauen als Männer unter den Befürwortern. 71 Prozent der Frauen, aber lediglich 60 Prozent der Männer waren der Meinung, diese Präparate gehören in die Positivliste. Genauso verständlich ist auch die Tatsache, dass Personen über 40 Jahre diese Therapie mit 71 bis 74 Prozent stärker bevorzugen als Jüngere (51 bis 64 Prozent).
- Bei pflanzlichen Mitteln zur Stärkung des Immunsystems sprachen sich 65 Prozent der Befragten für eine Aufnahme in die Positivliste, 23 Prozent waren dagegen. Bei dieser Medikamentengruppe gab es zwischen einzelnen Regionen, Altersgruppen und sozialen Gruppen keine nennenswerten Unterschiede.
- Bei pflanzlichen Mitteln gegen Unruhezustände und Schlafstörungen befürworten 61 Prozent der Befragten eine Aufnahmen in die Positivliste, 22 Prozent sind dagegen. Größere Unterschiede in der Bewertung gab es lediglich zwischen Ost (53 Prozent Befürworter) und West (63 Prozent Befürworter).
Die Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten e.V. (DGVP) versteht sich als eine Interessenvertretung der Versicherten in der Bundesrepublik Deutschland. Unsere Forderung an die Politik ist es daher, die Mitwirkungsrechte der Krankenversicherten bei der Gestaltung der Gesundheitspolitik zu stärken.
Mechthild Kern
Stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten e.V. (DGVP)
Lehrstraße 6
D-64646 Heppenheim
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