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Wechseljahrsbeschwerden: Pflanzliche Alternativen auf dem Prüfstand
Wolfgang Wuttke, Göttingen
Statement zum Thema
Wie sicher sind pflanzliche Präparate zur Therapie klimakterischer und postmenopausaler Beschwerden?
In jüngster Zeit sind aufgrund der von der Women’s Health Initiative (WHI) und der Million Women Study publizierten Daten eine heftige Werbekampagne zur Promotion von pflanzlichen Präparaten für die Therapie klimakterischer und postmenopausaler Beschwerden und Erkrankungen entbrannt. Dabei hat die Industrie zwei Strategien entwickelt:
Präparate, meistens Nahrungsergänzungsmittel, aus Soja und Rotklee enthalten Isoflavone mit gesicherter östrogener Wirkung.
- Vielen dieser Präparate werden selektive Östrogenrezeptor-Modulator-Eigenschaften zugesprochen, mit fehlender östrogener Wirkung in der Mamma und im Endometrium, wohl aber mit östrogenen Wirkungen im Hypothalamus (Prävention von hot flushes) im Skelettsystem (Prävention von Osteoporose) und im Herzkreislaufsystem (Prävention von Arteriosklerose).
Andere Firmen haben erarbeitet, dass ihre Produkte (in erster Linie Cimicifuga-racemosa-Medikamente) keine Östrogene enthalten.
- So wurden für Cimicifuga racemosa serotoninerge, dopaminerge, gabaerge ZNS-Wirkungen und SERM-Wirkungen, die nicht über Östrogenrezeptoren (ER’s) vermittelt werden gezeigt.
Soja- und Rotkleeprodukte sind Nahrungsergänzungsmittel oder bilanzierte Diäten und unterliegen deshalb nicht den rigiden Bestimmungen des BfArMs zur Herstellung von Medikamenten. Auch ein Wirksamkeitsnachweis aber auch Sicherheitsnachweise sind nicht erforderlich.
Es gibt dennoch eine große Zahl von klinischen Studien.
Studienlage der Soja- und Rotkleeprodukte
Da psychosomatische Ereignisse extrem anfällig gegenüber einer Placebowirkung sind, Placebowirkungen zwischen 30 bis 60 Prozent sind bei Studien der psychosomatischen klimakterischen Beschwerden die Regel, werden in den anhängenden Tabellen nur placebokontrollierte Studien berücksichtigt.
In der großen Mehrzahl der doppelblind placebokontrollierten Studien hatten Soja/Rotkleeprodukte keine statistisch signifikanten Wirkungen auf klimakterische Beschwerden, wobei erneut hervorzuheben ist, dass Placebopräparate genauso stark wirksam waren, die klimakterischen Beschwerden zu reduzieren. Wenn der Arzt also überzeugend genug ist, ein Placebopräparat als wirksam anzupreisen, wird der Erfolg auch nicht ausbleiben.
In den bisher publizierten 28 doppelblind placebokontrollierten Studien wurde in 21 Studien keine positive Wirkung gefunden. In einer Studie war das Präparat signifikant schlechter in der Wirkung als Placebo. In allen Studien wurde ein 30- bis 50-prozentiger Placeboeffekt beschrieben (siehe anhängende Tabellen).
Zahlreiche Studien mit Soja/Rotklee-Extrakten bzw. dem hauptsächlich darin vorkommenden Genistein stimulierten wie Östradiol (E2) das Wachstum von Mammakarzinom-Zellen in vitro und in vivo. Nur in sehr hoher Dosierung konnte das Wachstum inhibiert werden, hier kommt eine nicht-östrogene Tyrosinkinasehemmung zum Tragen.
Sojaprodukte machen sich häufig das „japanische Phänomen“ für Werbungszwecke zueigen. Japanerinnen haben seltener Mammakarzinome als weiße US-Amerikanerinnen. Japanerinnen decken ihren Proteinbedarf überwiegend aus Sojaprodukten. Wenn sie nach Amerika migrieren, hat die nächste Generation genauso häufig Mammakarzinome wie die weiße US-amerikanische Bevölkerung. Da die in Amerika geborenen Japanerinnen, wie weiße Amerikanerinnen, mehr Fleisch statt Sojaprodukte zu sich nehmen lag der Schluss nahe, dass Inhaltstoffe von Soja dafür verantwortlich sind. Mammakarzinominzidenz ist also bei Japanerinnen nicht genetisch, sondern umwelt-, wahrscheinlich nahrungsbedingt niedriger als bei Amerikanerinnen. In weiteren Migrationsstudien konnte allerdings gezeigt werden, dass dieser Schutz am größten ist, wenn zur Zeit der Pubertät Soja in größeren Mengen aufgenommen wird; japanische Mädchen, die postpubertär in die USA emigrierten, hatten deutlich weniger Mammakarzinome. Tierexperimentell konnte gezeigt werden, dass die sich entwickelnde Brustdrüse - wenn mit Isoflavonen zur Zeit der Pubertät exponiert - vor karzinogen induzierten Mammakarzinomen geschützt ist.
In vitro wie in vivo stimulieren Soja/Isoflavonextrakte und die darin vorkommenden reinen Isoflavone wie E2 das uterine Wachstum und zahlreiche östrogenregulierte Gene. Eine derartige Stimulation des Uterus, insbesondere des Endometriums ist bei Frauen in zahlreichen Studien nach kurz bis mittelfristiger Applikation von Soja/Rotklee/Isoflavonen nicht gezeigt worden, jedoch ist in einer italienischen Studie eine 3,37 prozentige Inzidenz von Endometriumhyperplasie nach 5-jähriger Einnahme von Sojaprodukten festgestellt worden, während bei den Placebo-Patientinnen keine Hyperplasie gesehen wurde. Eine Endometriumhyperplasie prädisponiert zum Endometrium-(Uterus)-Karzinom.
Soja und Isoflavone haben, wie E2, wahrscheinlich eine antiosteoporotische Wirkung. Dieses ist tierexperimentell (Ratte, Affe) gut belegt. Auch beim Menschen scheint sich durch Soja/Rotklee/Isoflavone eine antiosteoporotische Wirkung abzuzeichnen.
Tierexperimentelle und Untersuchungen an Frauen scheinen zu belegen, dass Soja/Rotkleeextrakte bzw. darin enthaltene Isoflavone in nicht arteriosklerotisch vorgeschädigten Arterien protektiv wirken (i.e. antiarteriosklerotische Wirkungen haben), das hat Östradiol auch. Es wird zurzeit vermutet, dass arteriosklerotisch vorgeschädigte Gefäße durch Östradiol ungünstig beeinflusst werden (siehe erhöhte Herzinfarkt- und Schlaganfallinzidenz in beiden Armen des überalterten WHI-Studienkollektivs). Entsprechende Untersuchungen zu älteren menopausalen Frauen liegen noch nicht vor.
Zusammenfassung
- Soja/Rotklee/Isoflavone haben nach der derzeitigen internationalen Studienlage keine oder nur schwach ausgeprägte positive Wirkungen auf psychovegetative klimakterische Beschwerden (insbesondere nicht auf aufsteigende Hitzewallungen).
- An anderen Organen scheinen Isoflavone schwache östrogene Wirkungen auszuüben, die jedoch möglicherweise mit den gleichen positiven wie auch negativen Eigenschaften der Östrogene, die zur Hormontherapie Verwendung finden, behaftet sind.
Daraus ergibt sich folgenden Frage: Warum sollen Ärzte oder Apotheker Soja/Rotklee/Isoflavone empfehlen, wenn sie doch wahrscheinlich auf klimakterische Beschwerden nicht wirken, jedoch möglicherweise ein noch nicht näher definiertes Risikopotenzial für die Brust, die Gebärmutter und die Gefäße beinhalten?
Prof. Dr. med. Wolfgang Wuttke
Universitäts-Frauenklinik Göttingen
Abteilung Klinische und Experimentelle Endokrinologie
Robert-Koch-Str. 40
D - 37075 Göttingen
ufkendo@med.uni-goettingen.de
Folien von Prof. W. Wuttke
Reinhard Saller, Zürich
Statement zum Thema
Cimicifuga racemosa: Die Wirksamkeit ist dosisabhängig
Die Menopause setzt im Durchschnitt bei Frauen im Alter um 51 Jahren ein. Von Frau zu Frau kann es jedoch erhebliche Unterschiede geben. Eine Spanne von 40 bis 55 wird berichtet. Der Übergang zur Menopause und die damit einhergehende Abnahme der Produktion an Östrogen und Progesteron kann sich über mehrere Jahre hinziehen. Verbunden damit sind die sogenannten klimakterischen Beschwerden, die von allen Frauen in unterschiedlicher Stärke empfunden werden.
Die körperlichen Symptome sind:
- Hitzewallungen, die von 80 Prozent der Frauen empfunden werden,
- Schweissausbrüche,
- Gelenk- und Kopfschmerzen sowie
- Schwindel.
Nicht zu unterschätzen sind psychologische Symptome wie:
- Stimmungsschwankungen,
- Schlafstörungen,
- Gereiztheit und
- Konzentrationsschwäche.
Auf Grund der Dauer und der Intensität streben viele Frauen eine Behandlung der Symptome an, um der Beeinträchtigung der Lebensqualität etwas entgegenzusetzen.
Als Therapieoption steht eine Hormonbehandlung zur Verfügung, die aber von vielen Frauen nicht akzeptiert wird oder aus klinischen Gründen auch kontraindiziert sein kann. Die Behandlung mit Anxiolytika, Antidepressiva oder Antiepileptika wurde zwar versucht, der Einsatz erscheint aber für die klimakterischen Beschwerden verglichen mit der ursprünglichen Indikation als übertrieben, und die Nebenwirkungen stehen nur für wenige extreme Fälle in einem akzeptablen Verhältnis zum erwünschten Therapieerfolg. Am längsten werden Extrakte aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze Cimicifuga racemosa (Black cohosh) zur Behandlung klimakterischer Beschwerden eingesetzt.
Die Pflanze hat vor etwa 200 Jahren Eingang in den westlichen Arzneimittelschatz gefunden und wurde über die Jahrhunderte intensiv erprobt und erforscht. Weitreichende Arbeiten zur Sicherheit und Toxikologie liegen vor. Die geringe Nebenwirkungsrate wurde in Studien mit mehr als 2.800 Patientinnen bestätigt.
Als weiteren Beitrag zur klinischen Anwendung sollte in einer randomisierten, doppel-blinden, Plazebo kontrollierten klinischen Studie die dosisabhängige Überlegenheit eines neu entwickelten Cimicifuga-Extraktes (Ze 450) nachgewiesen werden.
Insgesamt 180 Frauen im Alter von über 40 Jahren mit klimakterischen Beschwerden (verifiziert mittels Klimax Score nach Metka M. und Fischl F.H. [1993]) wurden in die Studie eingeschlossen. Die Patientinnen erhielten einmal täglich morgens entweder
- zwei Tabletten Ze 450 (insgesamt 13 mg),
- oder eine Tablette mit aktiver Substanz (6,5 mg) plus eine Tablette Plazebo,
- oder zwei Tabletten Plazebo.
Als primäre Zielvariable wurde der KUPPERMAN Menopausen Index genutzt, der vor Therapiebeginn sowie am Ende der 12-wöchigen Therapieperiode erhoben wurde. Als sekundäre Variablen dienten die Selbstbewertung der Lebensqualität mittels visueller Analogskala und die Responderrate. Die Sicherheit wurde mittels unerwünschter Arzneimittelwirkungen (UAW) und klinischen Laboruntersuchungen bewertet.
Die Veränderung der klimakterischen Symptome war in beiden Verumgruppen signifikant der Plazebogruppe überlegen. Die Wirksamkeit der Dosierung von zwei Tabletten Ze 450 war signifikant der einer Tablette Ze 450 überlegen. Die subjektive Veränderung der Lebensqualität korreliert linear zu den Veränderungen im KUPPERMAN Menopausen Index . Die Responderrate zeigte ebenfalls eine dosisabhängige Überlegenheit der Verumgruppen im Vergleich zu Plazebo. Die erfassten UAW’s und die Ergebnisse der klinischen Laboruntersuchungen zeigten keine Unterschiede zwischen den drei untersuchten Gruppen.
Fazit
Das Beschwerdebild beim Übergang in die Menopause mit seinen körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen wird erfolgreich mit dem Cimicifuga Extrakt Ze 450 behandelt, die Sicherheit dieser Therapie wurde erneut bestätigt. Insgesamt erwies sich der Spezialextrakt Ze 450 als eine effiziente nicht-hormonale Therapieoption bei klimakterischen und menopausalen Beschwerden, die durchaus den Status, als Standardtherapie anerkannt zu sein, verdient hat.
Prof. Dr. med. Reinhard Saller
UniversitätsSpital Zürich
Abteilung Naturheilkunde
Rämistraße 100
CH 8091 Zürich
reinhard.saller@dim.usz.ch
[Folien]
Konrad Uebelhack, Berlin
Statement zum Thema
Krisenzeit Klimakterium: Wege aus dem Stimmungstief
Nicht erst seit Veröffentlichung der Besorgnis erregenden Ergebnisse der großen Studien zur Hormonersatztherapie wünschen viele Patientinnen eine hormonfreie Alternative zur Behandlung der Wechseljahresbeschwerden. Die Extrakte der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa, syn: Actaea racemosa) haben sich seit vielen Jahren in dieser Indikation bewährt. In großer Zahl bestätigen Studien deren Wirksamkeit und Verträglichkeit. Die große Mehrheit der Untersuchungen wurde mit dem isopropanolischen Spezialextrakt „iCR“ durchgeführt.
Bis Mitte der 90er Jahre wurde für Cimicifuga ein östrogenähnlicher Wirkmechanismus angenommen. Heute werden die Extrakte jedoch zu den selektiven Östrogenrezeptor-Modulatoren gezählt, die gewebespezifisch östrogenagonistisch oder antagonistisch wirken. So fehlt iCR beispielsweise die für Östrogene typische Stimulation des Brustgewebes, sodass iCR auch bei Patientinnen eingesetzt werden kann, für die eine Hormonersatztherapie kontraindiziert ist.
Eindeutig im Vordergrund der Wirkung von Traubensilberkerzenpräparaten stehen jedoch die neurovegetativen Beschwerden des Klimakteriums: Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Schlafstörungen, die von etwa 80 Prozent aller Frauen in den Wechseljahren beklagt werden.
Zusätzlich enthält der Spezialextrakt zentralnervös wirkende Komponenten, die eine leichte Stimmungsaufhellung im Sinne einer schwachen antidepressiven Wirkung vermitteln.
Eine große Zahl von Patientinnen leidet in den Wechseljahren neben den körperlichen Beschwerden unter ausgeprägten psychischen Symptomen, die durch Cimicifuga-Präparate allein oft nicht ausreichend behandelt werden. In diesen Fällen bietet sich die zusätzliche Gabe eines Johanniskrautextraktes (Hypericum perforatum) an. Statt der Verordnung bzw. Empfehlung zweier Arzneimittel sollte dies jedoch vorzugsweise in Form einer fixen Kombination erfolgen, deren Extrakte gut dokumentiert und optimal aufeinander abgestimmt sind.
Eine neue große Studie zur Wirksamkeit
Das Ziel der hier vorgestellten Untersuchung war die Bestätigung der Wirksamkeit und Verträglichkeit der fixen Kombination des Traubensilberkerzenextraktes iCR und eines monographiekonform dosierten ethanolischen Johanniskrautextraktes bei Frauen mit klimakterischen Beschwerden und ausgeprägter psychischer Symptomatik.
In diese bislang größte doppelblinde, randomisierte placebokontrollierte klinische Prüfung wurden 301 Frauen im Alter zwischen 45 und 60 Jahren aufgenommen, die seit mindestens 3 Monaten unter Wechseljahresbeschwerden litten und in den beiden zurückliegenden Monaten unbehandelt waren. Die Hälfte der Studienteilnehmerinnen erhielt ein wirkstofffreies Scheinmedikament (Placebo).
Nach der Gabe von zunächst zweimal 2 Tabletten pro Tag für 8 Wochen folgte eine Reduktion auf zweimal 1 Tablette für weitere 8 Wochen. Die klimakterischen Beschwerden wurden zu Beginn der Studie, nach 8 und nach 16 Wochen anhand der Menopause Rating Scale (MRS) beurteilt, die die 10 bedeutendsten Einzelsymptome aus den Symptomengruppen „Wallungen“, „Atrophie“, „Soma“ und „Psyche“ auf einer Skala von 0 bis 1 abbildet und durch Berechnung des ungewichteten Mittelwertes einen Score-Wert liefert. Die psychischen Beschwerden wurden mittels der Hamilton Depression Scale 17 (HAMD-17) ausgewertet.
- Der durchschnittliche MRS-Gesamtscore verringerte sich in beiden Gruppen deutlich gegenüber der Ausgangslage.
- Die Verum-Medikation war bereits nach 8 Wochen signifikant wirksamer als Placebo (p < 0,001).
- Nach 16 Wochen war der Unterschied noch stärker ausgeprägt.
Unter Verum nahmen die MRS-Werte von 0,46 ± 0,13 (MW ± SD) auf 0,23 ± 0,13 ab. Dies entspricht einer 50prozentigen Linderung der Beschwerden und ist vergleichbar mit den zu erwartenden Therapieerfolgen einer Hormonersatztherapie.
Die Placebobehandlung reduzierte die Wechseljahresbeschwerden von 0,46 ± 0,14 auf 0,37 ± 0,15, also lediglich um 19,6 Prozent. Die Gruppendifferenz von 0,14 Punkten fiel signifikant zugunsten der Verummedikation aus. Signifikante Überlegenheit im Gruppenvergleich zeigte sich für alle vier Faktoren „Wallungen“, „Atrophie“, „Soma“ und „Psyche“.
Der HAMD-17 Gesamtscore verringerte sich in beiden Gruppen signifikant gegenüber der Ausgangslage:
- Nach Verumbehandlung sanken die HAMD-Werte von 18,9 ± 2,2 auf 11,0 ± 3,8 Punkte, entsprechend 41,8 Prozent. Auch diese Effektgröße entspricht dem, was aus vielen anderen Depressions-Studien berichtet wurde und darf daher ebenfalls als klinisch relevant angesehen werden.
- Der Placeboeffekt betrug 12,7 Prozent und verringerte die psychische Symptomatik von 18,9 ± 2,1 auf 16,5 ± 4,3 Punkte.
- Der Prä/Post-Vergleich zeigte signifikant (p < 0,001) eine Gruppendifferenz von 5,5 Punkten zugunsten der Verummedikation.
Die überwiegende Zahl der Patientinnen bezeichnete die Wirksamkeit der Verummedikation als sehr gut oder gut, wohingegen die Mehrheit der Placeobo-behandelten Studienteilnehmerinnen über mäßige oder keine Wirksamkeit berichtete. Die mit über 90 Prozent außergewöhnlich hohe Compliance zeugt von der guten Verträglichkeit der Medikation und der sorgfältigen Studiendurchführung. Studienabbrüche traten nur in geringer Zahl und überwiegend in der Placebogruppe auf.
Weder bei unerwünschten Ereignissen noch bei den Laborbefunden oder der Verträglichkeit gab es relevante Gruppenunterschiede. Es waren keine schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen zu verzeichnen und in keinem der wenigen Fälle leichter unerwünschter Ereignisse sahen die Prüfer einen kausalen Zusammenhang mit der Studienmedikation.
Fazit: Die fixe Kombination der Traubensilberkerze und Johanniskraut lindert klimakterische Beschwerden signifikant und klinisch relevant wirksamer als Placebo. Durch die zusätzliche Gabe von Johanniskraut in monographiekonformer Dosierung wird das Wirkungsprofil insbesondere für Patientinnen mit ausgeprägter psychischer Symptomatik optimiert, die mit einem chemisch definierten Antidepressivum übertherapiert würden.
Die fixe Kombination stellt eine wirksame und sichere Erweiterung der therapeutischen Möglichkeiten für diesen Symptomen-Komplex dar.
Dr. med. Konrad Uebelhack
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Charité Universitätsmedizin Berlin
Schumannstraße 20/21
D-10117 Berlin
[Folien]
Michael Popp, Neumarkt
Statement zum Thema
Verbraucherschutz: Mehr Transparenz ist von Nöten
Meine Damen und Herren,
Sie alle wissen und spüren, dass wir einen enormen Wandel mit zahlreichen Veränderungen durchleben sind und deshalb Reformen nicht nur in der Gesundheitspolitik dringend benötigen. Bislang jedoch handelte die derzeitige Bundesregierung nicht vorausschauend, sondern suchte nur nach kurzfristigen Einsparpotentialen. So auch in der Gesundheitspolitik. Das Ergebnis: Teilweise werden neue Gesetze in sich selbst konterkariert. Bestes Beispiel ist die Öffnung des Heilmittelwerbegesetzes für apothekenpflichtige Arzneimittel.
An sich eine dringend notwendige Maßnahme, zumal die apothekenpflichtigen Arzneimittel wegen ihrer Arzneimittelsicherheit und Preisgünstigkeit aus der Erstattung der gesetzlichen Krankenversicherung herausgenommen wurden. Im Übrigen: Gerade deshalb sind diese Arzneimittel „apothekenpflichtig“ und eben „nicht-verschreibungspflichtig“! Bei Kindern bis 12 Jahren werden sie wegen ihrer guten Wirksamkeit generell vom Arzt auch weiterhin verordnet und von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet.
Der erste Entwurf des Gesetzes zur Öffnung des Heilmittelwerbegesetztes (HWG) sah jedoch vor, dass Arzneimittel, die erstattungsfähig sind, nicht mehr beim Laien beworben werden dürfen. Somit dürften alle apothekenpflichtigen Arzneimittel, die als Ausnahme für Kinder erstattungsfähig sind, von Erwachsenen jedoch selbst gekauft werden müssen, generell nicht mehr bewerbbar gewesen. Zum Glück wurde nun, aufgrund unserer Intervention, der Gesetzesentwurf entsprechend verändert.
Wir, das Komitee Forschung Naturmedizin, fordern für unsere mittlerweile sehr mündigen Patienten mehr und weitere Möglichkeiten der Informations- und Transparenzerzeugung für apothekenpflichtige pflanzliche Arzneimittel. Diese Forderung basiert darauf, dass heute zu Functional Foods bzw. Nahrungsergänzungsmitteln teilweise mehr Aussagen zugelassen sind als zu Arzneimittel. Des weiteren herrscht für den Patienten aber zum Teil auch noch für den Arzt und Apotheker eine absolute Intransparenz was das pflanzliche Arzneimittelangebot anbetrifft.
Gerade das heute Vormittag vorgestellte Beispiel Cimicifuga (Traubensilberkerze) und Phytoöstrogene zeigt überdeutlich auf, welche Diskrepanz auf dem Markt vorzufinden ist und dass eine umfassende Information nicht nur im Sinne der Ärzte und Apotheker, sondern auch im Sinne der Verbraucher und Patienten dringend notwendig wäre.
Nehmen wir ein weiteres bekanntes Beispiel: Die Annahme Johanniskraut sei gleich Johanniskraut wäre genauso falsch, wie die Behauptung, ein wild gesammelter Wein aus unterschiedlichen Reben, einfachst produziert und im Tetrapack abgefüllt, sei für den Verbraucher genauso gut, wie die top-bewerteten Spitzengewächse aus Bordeaux und darf deshalb gleich auftreten.
Bei den traditionellen Arzneimitteln kommt noch eines dazu: Das sie per definitionem unterdosiert sind, sind so gut wie keine Inhaltstoffe enthalten. Das hieße um bei dem Weinvergleich zu bleiben ein als Rotwein deklarierter Wein wäre gerade mal ein ganz leichter Rosé.
Von daher sollten pflanzliche Arzneimittel, von denen man eine sichere und belegte Wirkung erwarten möchte, nur über die Apotheke bezogen und entsprechend deklariert werden können.
Sonst besteht das Problem weiter, dass die meisten Hersteller pflanzlicher Arzneimittel nur bibliographisch die Daten von den wenigen forschenden Herstellern übernehmen. Und nie gezeigt haben, das ihre aus Wildsammlung stammenden Rohstoffe und daraus irgendwie hergestellte Extrakte, die gleiche Wirkung haben und damit die gleiche Bewertung erhalten sollen wie wir Hersteller wissenschaftlich dokumentierter pflanzlicher Arzneimittel deswegen fordern wir, nicht nur im Sinne der Arzt- und Apothekerinformation sondern auch der Verbraucher- und Patienteninformation, dass wir auf unseren Packungen und in unseren Beipackzetteln deklarieren dürfen, dass das zu den Pflanzen und Spezialextrakten vorhandene Know How speziell mit diesen deklarierten Arzneimittel generiert wurde. Es ist nicht zu akzeptieren, dass Functional Food oder auch freiverkäufliche pflanzliche Arzneimittel ohne wissenschaftlichen Background mit zum Teil unethischen und marktschreierischen Informationen beworben werden dürfen. Im Gegensatz dazu sind die seriösen Hersteller dramatisch limitiert.
Denn nur so können wir weitere Patienten für unsere Arzneimittel gewinnen, das Vertrauen in unsere Präparate stärken und notwendigerweise mehr Umsätze tätigen, die wir für die weitere Erforschung unserer gut dokumentierten pflanzlichen Arzneimittel benötigen.
Auch auf diesem Sektor gilt es, nicht nur den europäischen, sondern auch den internationalen Anschluss nicht zu verlieren!
Prof. Dr. Michael Popp
Vorsitzender vom Komitee Forschung Naturmedizin e.V. (KFN)
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