Virale Atemwegsinfekte – vom Schnupfen bis zur Vogelgrippe

Termin: Mittwoch, den 7. Dezember 2005
Zeit: 11.00 - 13.00 Uhr
Ort: PresseClub München
Marienplatz 22
80331 München
11.00 Uhr Eröffnung und Begrüßung

Prof. Dr. Michael Popp, Neumarkt

11:15 Uhr

Immunschutz: Aktuelle und künftige Strategien

Prof. Dr. med. Steffen Maune, Kiel

Diskussion

11.35 Uhr

Atemwegsinfekte beim Kind: Phytopharmaka reduzieren die Komplikationsrate

Prof. Dr. med. Josef Peter Guggenbichler, Erlangen

Diskussion

12:00 Uhr Pharmakologie: Dem Wirkprinzip vom Thymian auf der Spur

Prof. Dr. rer. nat. Eugen J. Verspohl, Münster

Diskussion

12:20 Uhr Moderne Teetherapie in der Behandlung grippaler Infekte

Prof. Dr. med. Volker Fintelmann, Hamburg

Diskussion

12:40 Uhr Experimente mit einem Pflanzensubstrat als mögliches Prophylaktikum gegen Vogelgrippe

PD Dr. rer. nat Oliver Planz vom Institut für Immunologie des Friedrich-Loeffler-Institus in Tübingen

Diskussion

Moderation: Dr. Marcela Ullmann
Veranstalter: Komitee Forschung Naturmedizin e.V. (KFN)

Steffen Maune, Kiel

Statement zum Thema

Immunschutz: Aktuelle und künftige Strategien

Überlegungen, die sich auf derzeitige und künftige Möglichkeiten der Beeinflussung von menschlichen Abwehrmechanismen beziehen, kommen ohne die Betrachtung der immunologischen Verteidigungswaffen nicht aus, die von den evolutionären Vorgängern menschlichen Lebens stammen. Diese Hintergründe sind allerdings so komplex, dass heute schon niemand über die bereits bekannten Details Auskunft geben kann, wobei durch den nahezu täglichen Wissenszuwachs in vielen Bereichen der Forschung laufend neue dazukommen.

Den umfassendsten Überblick haben derzeit die Immunologen, die sich mit den vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Krankheitserregern und lebenden Organismen auseinandersetzen. Der Blickwinkel des HNO-Arztes mag dabei sehr interessant sein, er wird sich aber immer vor allem auf die Abwehrmechanismen der oberen Atemwege und die damit verbundenen Erkrankungen konzentrieren.

Der erste lebende Berührungspunkt eines über die Luft verbreiteten Erregers ist normalerweise die Nasenschleimhaut. Im Zusammenhang mit den genauen immunologischen Vorgänge, die hier stattfinden, sind derzeit mindestens genauso viele Fragen offen, wie geklärt, so dass sich unser Verständnis dieser Prozesse im ständigen Fluss befindet. Ein weitergehender Blick lässt zwar einige durchaus interessante Hypothesen zu, er wird aber, wissenschaftlich gesehen, keine komplette Erklärung der vorhandenen Abwehrstrategien zulassen. Trotzdem orientieren sich die therapeutischen Strategien meist genau an den vom Patienten bereitgestellten Verteidigungsmechanismen. Die physiologischen Verteidigungslinien der Atemwegsschleimhaut bieten daher einen guten Zugang zum Verständnis aktueller Möglichkeiten der Abwehr und bilden die Grundlage für künftige Strategien.

Als erste Schranke dient die physikalische und chemische Barriere. Sie besteht aus einem sich selbst ständig reinigenden Nasenschleimhautteppich auf dem Schleim lagert. Die Analyse der Inhaltsstoffe dieser Schleimauflagerungen macht schnell deutlich, wie hoch der Grad der Kompliziertheit ist, der sich hinter der scheinbar so einfachen Verteidigungslinie verbirgt. Man konnte hier von relativ einfach strukturierten, den Ph-Wert beeinflussenden Substanzen bis hin zu körpereigenen Antibiotika und Entzündungszellen eine Vielzahl von Bestandteilen nachweisen. Diese halten ein physiologisches Gleichgewicht aufrecht, das einen Ansatzpunkt für wirksame Therapiestrategien darstellt.

Bereits heute werden schon Substanzen angewandt, die sich gezielt positiv auf die körpereigene mucoziliären Clearance auswirken. Es handelt sich sowohl um örtlich als auch um systemisch zu applizierende Therapeutika.

Solange die erste Abwehrlinie funktioniert, scheinen sich die Entzündungszellen an der Abwehr noch nicht zu beteiligen. Erst nach Versagen der ersten, tritt die zweite Abwehrlinie in Aktion. Erst dann werden nämlich die spezifischen Reaktionskaskaden aktiviert, die über Entzündungszellen vermittelt werden.

Auf diesem Mechanismus sind die meisten Impfstrategien aufgebaut, die bedarfsorientiert körpereigene Zellen stimulieren, um sie langfristig zu konditionieren, im akuten Bedarfsfall eine schnellere und stärkere Immunreaktion auf potentielle Erreger zu erzeugen.

Parallel dazu produzieren die Epithelzellen auch spezifische körpereigene Antibiotika, die das konstitutiv produzierte Variete selektiv zu ergänzen scheinen. Hier wären künftige Ansatzpunkte denkbar, um die Abwehr über lokal oder systemisch induzierte – oder sogar über direkte – Wirkungen zu stützen. Solche antimikrobiellen Effekte sind beispielsweise von bestimmten Pflanzenextrakten zu erwarten.

Prof. Dr. med. Steffen Maune
Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Arnold-Keller-Straße 10
24105 Kiel
Tel. 0431 / 597-2245
E-Mail: maune@hno.uni-kiel.de

[Folien]


Josef Peter Guggenbichler, Erlangen

Statement zum Thema

Atemwegsinfekte beim Kind: Phytopharmaka reduzieren die Komplikationsrate

Infektionen der oberen und unteren Luftwege werden überwiegend durch Viren hervorgerufen. Durch eine Virusinfektion kommt es jedoch zu einer erheblichen funktionellen Beeinträchtigung der unspezifischen körpereigenen Abwehr insbesondere der mukoziliären Clearance und der Zilientätigkeit.

Proinflammatorische Zytokine wie z.B. Leukotriene, Prostaglandine, Interleukine die zur Abwehr der Virusinfektion gebildet werden besitzen Wirksamkeit auf die glatte Muskulatur von Bronchen, Darm und Blutgefäßen und führen z.B. zu dem bekannten submukösen Ödem der Nasen/Rachenschleimhäute. Die Folge ist:

  • eine Abflussbehinderung des Sekretes aus den Nasennebenhöhlen,
  • eine Entwicklung eines Tuben Paukenhöhlen-Sekretes und
  • eine vermehrte Besiedelung von Epithelzellen mit bakteriellen Mikroorganismen.

Vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern kommt es dadurch zu bakteriellen Superinfektionen der der Nase angrenzenden Strukturen wie Sinusitis, Otitis media, Bronchitis/Bronchopneumonie, Lymphadenitis und ev. Sepsis.

Ziel der Behandlung und Prävention ist es, die unspezifische Abwehr zu stärken: Phytopharmaka besitzen durch ihre antientzündlichen Eigenschaften die Fähigkeit einerseits die Entwicklung einer bakteriellen Superinfektion der Nasennebenhöhlen und des Mittelohres zu verhindern, bzw. die Wirkung einer Antibiotikatherapie entscheidend zu unterstützen. Aufgrund ihrer eigenen antimikrobiellen Wirksamkeit gegen zahlreiche Bakterien und Viren eignen sie sich bei Virusinfektionen der Luftwege als primäres Therapeutikum. Zuletzt kann der Gabe von Phytopharmaka, die die ungünstigen systemischen Effekte proinflammatorischer Zytokine neutralisieren zur Verhinderung chronisch schwelender und rezidivierender Infekte der Luftwege.

Prof. Dr. med. Josef Peter Guggenbichler
Kinderklinik des Universitätsklinikum Erlangen
Loschgestraße 15
91054 Erlangen
Tel. 09131/ 85 33 726
E-Mail: prof.guggenbichler@gmx.de

[Folien]


Eugen J. Verspohl, Münster

Statement zum Thema

Dem Wirkprinzip vom Thymian auf der Spur

Thymian wird eingesetzt als Expektorans, wenn Symptome einer Bronchitis oder Katarrhe der oberen Luftwege vorliegen. Die funktionelle Beeinträchtigung der Sekret-Elimination kann sich zeigen in einer:

  • Obstruktion der Atemwege (Einengung)
  • Funktionsschädigung des mucoziliären Transportsystems.

Unter Expektorantien (intern, extern) verstehen wir u.a. :

  • Sekretolytika (direkt oder reflektorisch wirkend)
  • Sekretomotorika.

Eine Sekretion von Mucin (Schleim) erfolgt aus den Becherzellen; ferner wird ein Abtransports von Mucin (Clearance) über eine Ziliarbewegung hervorgerufen.

Ca. 20 Thymianpräparate gibt es in der Roten Liste, an Kombinationen von Thymian mit Primel gibt es 7; die Zahlen sind höher als für andere Phytobestandteile. Der Wirkungsmechanismus von Thymian ist bisher nicht im Detail untersucht. Es sollte daher untersucht werden, ob Thymian-Extrakt eine Wirkung auf ß2-Rezeptoren hat, um die Beseitigung der oben erwähnten Obstruktion zu bewirken, und ob Thymian-Extrakt die Zilientätigkeit beeinflusst.

Drei Arten von Untersuchungen wurden durchgeführt:

1.    Bindungsstudien an Lungenmembranen zum Nachweis der Interaktion von Thymian-Extrakt mit ß2-Rezeptoren (Radioligand [125I]-(±)-Iodocyanopindolol ist selektiv für ß2-Rezeptoren).

2.    Relaxationsstudien an zwei verschiedenen Organen, die ß2-Rezeptoren aufweisen:
Isolierter Rattenuterus (= Gebärmutter) im Organbad
Elektrische Stimulation der Rattentrachea (= Luftröhre) im Organbad

3.    Beschleunigung der Zilientätigkeit (mucoziliäres System (Zilientätigkeit):
Auftauchen des Fluoreszenz-Farbstoffes Rhodamin B in der Mikrodialyseprobe; Messung im Fluoreszenz-Photometer.

Ergebnisse:

1.    Bindungsversuche: Verdrängung des Radioliganden [125I]-CYP durch Propranolol in An- und Abwesenheit des Thymiankraut-Dickextraktes. Antagonisierung des Propranolol-Effekts durch Thymiankraut-Dickextrakt.

Fazit: durch Thymiankraut-Dickextrakt wird die Propranolol-Verdrängungskurve nach links verschoben: der Extrakt zeigt eine Wechselwirkung mit ß2-Rezeptoren.

2.    Relaxationsversuche am Rattenuterus:
a. durch Thymiankraut-Dickextrakt wird der Rattenuterus relaxiert
b. durch Isoprenalin (ß2-Rezeptor-Agonist) wird der Rattenuterus relaxiert, was durch Propranolol (ß2–Rezeptorenblocker) antagonisiert und wiederum durch Thymianextrakt aufgehoben wird.

Fazit: alle Relaxationsversuche am Uterus deuten z.B. auf eine Wechselwirkung des Thymian-Extrakts mit ß2-Rezeptoren hin, was aber einen zusätzlichen Wirkungsmechanismus nicht ausschließt.

2.a Relaxationsversuche an der Rattentrachea: Durch Isoprenalin

(ß2-Sympathomimetikum) wird die Rattentrachea relaxiert, was durch Propranolol (ß2–Rezeptorenblocker) antagonisiert und wiederum durch Thymianextrakt aufgehoben wird.

Fazit: Dieser Relaxationsversuch deutet auf eine Wechselwirkung des Thymianextrakts mit ß2-Rezeptoren hin.

3.    Mukoziliäre Clearance: Durch Behandlung von Mäusen in vivo mit Thymianextrakt wird die Zeit zur Überwindung einer Tracheal-Zilienstrecke verkürzt (Verbesserung der Zilientätigkeit).

Fazit: günstiger Effekt von Thymianextrakt auf die Reinigung des Atembereichs.

Zusammenfassung und Schlussfolgerungen:

  1. Inhaltsstoffe des Thymiankraut-Dickextraktes interagieren mit ß2-Rezeptoren von Lungenmembranen, da die Verdrängungskurve von Propranolol im nanomolaren Konzentrationsbereich verschoben ist.
  2. Die Bindungsversuche zu ß2-Rezeptoren werden im biologischen Experiment bestätigt: Der Thymiankraut-Dickextrakt interagiert mit ß2-Rezeptoren am Rattenuterus und der -trachea. Dies ist daran zu erkennen, dass der durch Propranolol verminderte relaxierende Effekt von Isoprenalin durch den Extrakt teilweise aufgehoben wird.
    Ein zusätzlicher Mechanismus von Thymiankraut-Dickextrakt außer diesem ß2-Effekt kann nicht ausgeschlossen werden, da die Relaxation bei hohen Konzentrationen des Extraktes vollständig ist, die Verdrängung am ß2-Rezeptor aber nicht vollständig ist.
  3. In vivo ist die mukoziliäre Clearance durch den Thymiankraut-Dickextrakt deutlich verbessert.

Dies gibt insgesamt Hinweise auf den Wirkungsmechanismus der Bronchospasmolyse (Beteiligung von ß2-Rezeptoren) und bestätigt die vermutete Verbesserung der Zilientätigkeit.

Prof. Dr. Eugen J. Verspohl
Institut für Pharmazeutische und
Medizinische Chemie
Universität Münster
Hittorfstraße 58 - 62
48149 Münster
Tel. 0251/ 83 333 21
Fax 0251/ 83 321 44
E-Mail: verspoh@uni-muenster.de


Volker Fintelmann, Hamburg

Statement zum Thema

Moderne Teetherapie in der Behandlung grippaler Infekte

Auch wenn der Medizinische- oder Arzneitee eine der ältesten Verordnungsformen in der Therapie ist, mag es als Anachronismus erscheinen, wenn im Bewusstsein des Goldstandards einer evidenz-basierten Wissenschaftsmedizin (EBM) die Behandlung grippaler Infekte mit einem Tee ernstlich und möglicherweise sogar als Therapie der ersten Wahl diskutiert wird. Der Blick auf die Realität der Behandlungsstrategien grippaler Infekt einerseits und die Besonderheit Medizinischer Tees und ihrer Wirksamkeit andererseits sollen jedoch zeigen, dass dieses Thema zurecht vorgetragen wird.

Bagatell-Erkrankungen mit großen volkswirtschaftlichen Auswirkungen.

Grippale Infekte oder Erkältungskrankheiten sind regelmäßige Begleiter der Menschen in allen Abschnitten des Lebens. Erwachsene erkranken daran durchschnittlich 2,2mal im Jahr, Kinder wesentlich häufiger, bis zu 10mal pro Jahr, ohne dass daraus schon eine besondere Infektanfälligkeit abgeleitet werden könnte. Ähnlich wie bei Kindern gilt die höhere Frequenz auch für ältere Menschen, ohne dass hier jedoch konkrete Zahlen vorliegen. Als Auslöser gelten virale Infekte insbesondere im Zusammenhang mit Unterkühlungen. Eine kausale antivirale Therapie existiert nicht, dessen ungeachtet hat die moderne Medizin einschließlich der Gesundheitspolitik solche Erkrankungen als Bagatellen eingestuft. Das bedeutet zugleich, dass eine ausschließlich symptomatische Behandlung ausreicht.

Unterschiedlichste Untersuchungen haben ergeben, dass in der Selbstmedikation solcher Erkrankungen am häufigsten Analgetika eingenommen werden, die gleichzeitig Fieber senkend wirken. Der Jahresumsatz für Analgetika bei dieser Indikation liegt bei 800 Millionen Euro!

Auch die Indikationsbereiche Umstimmungsmittel, Halsschmerzmittel und Grippemittel, führen zu einem jährlichen Umsatz von nahezu 150 Millionen Euro. Der Kölner Gesundheitsexperte und Regierungsberater Karl Lauterbach schätzte den volkswirtschaftlichen Schaden der Grippewelle Anfang 2005 alleine durch Produktionsausfälle auf rund 1 Milliarde Euro, hinzu kämen ca. 300 Millionen Euro für die ärztliche Behandlung. Anderen Berechnungen zufolge entstünden durch Arztbesuche infolge von Erkältungskrankheiten und grippalen Infekten Kosten von 650 bis 850 Millionen Euro jährlich.

Fieber als antivirales Prinzip

Natürlich sind solche Zahlen fiktiv, da letztlich ja Schätzungen oder Hochrechnungen. Doch zeigen sie das erhebliche volkswirtschaftliche Potential einer solchen sogenannten Bagatellerkrankung. Viel ärgerlicher als die Bagatellisierung ist aus ärztlicher Sicht jedoch die völlig unsinnige Selbsttherapie mit Analgetika, die weder kausal noch symptomatisch gerechtfertigt ist. Im Gegenteil: Die beste und auch ursächlichste Therapie, die ein gut reagierender Organismus von sich aus wählt, ist ein kurzzeitiger Temperaturanstieg, da humanpathogene Viren fast ausschließlich thermolabil sind und Temperaturen von mehr als 38,5°C über 24 bis 48 Stunden weitgehend zu ihrer Elimination führen. Analgetika sind aber grundsätzlich antifebril und überwiegend auch immunsuppressiv. Man wird damit die Krankheit also eher verlängern als sinnvoll behandeln!

Wie sieht gute Tee-Therapie praktisch aus?

Arzneitees bestehen aus der getrockneten Droge einzelner Pflanzen oder der Kombination mehrerer solcher, die sich dann in ihrer Wirkung ergänzen. Eine wesentliche Voraussetzung ihrer Wirksamkeit ist die pharmazeutische Qualität, an die heute strenge Anforderungen gestellt werden. Im Vergleich mit synthetischen Wirkstoffen, die überwiegend „gegen“ bestimmte körpereigene Funktionen agieren, wirken pflanzliche Arzneimittel vorwiegend „mit“ den körpereigenen Regulationssystemen, diese anregend oder dämpfend, sie steuernd oder auch substituierend. Das begründet den auffälligen Unterschied der Verträglichkeit beider Arzneiformen.

Für Erkältungskrankheiten und grippale Infekte besonders geeignete Pflanzen werden durch ihre diaphoretische, d.h. schweißtreibende Wirkung charakterisiert. Hierzu zählen insbesondere die Lindenblüten (Tiliae flos), die Holunderblüten (Sambuci flos) und die Blüten von Mädesüß (Filipendulae flos). Sie enthalten einheitlich Flavonoide und Gerbstoffe, der Holunder noch zusätzlich geringe Mengen ätherischen Öls.

Der Tee sollte unbedingt sehr warm getrunken werden, er kann mit einem Teelöffel Honig pro Becher geschmacklich verfeinert werden, anschließend sollte der Kranke ein bis zwei Stunden ruhen. Typischerweise wird der Tee im akuten Stadium mindestens dreimal täglich bis alle 2 Stunden getrunken. Treten stärkere bronchitische Symptome auf, eignen sich Thymian, Eibisch und Spitzwegerich, bei Kindern auch Fenchel zur ergänzenden Behandlung.

Diese Tee-Therapie bei Erkältungskrankheiten und grippalen Infekten erscheint besonders sinnvoll und wirklich als die Therapie der 1. Wahl vor allem bei Kindern, Jugendlichen und alten Menschen.

Medizinische Tees können entweder nach der Rezeptur eines Arztes für einen Patienten in der Apotheke eigens hergestellt werden, oder sie stehen als Fertigtees in der Apotheke zur Verfügung. Die apothekenpflichtigen Arzneitees bzw. Fertigmischungen in Form von Teebeuteln bieten den Patienten einige Vorteile:

  • Bei Monotees garantiert der portionsweise gefüllte Teebeutel die richtige Dosis jeder einzelnen Zubereitung.
  • Bei Kombinationstees sichert er die Einhaltung der Rezeptur, indem er verhindert, dass sich der Tee entmischt.
  • Bei ätherisch-Öl-Drogen schützt die Teebeutel-Versiegelung vor unnötigem Verlust an diesen flüchtigen Wirkstoffen.
  • Die Handhabung von Teebeuteln ist einfacher als von losen Drogen, was besonders den Bedürfnissen älterer Patienten entgegenkommt.

Tees zu medizinischen Zwecken sollten außerdem nicht im Supermarkt, sondern stets in der Apotheke gekauft werden. Nur dort ist eine angemessene Qualität garantiert. Die Drogenqualität spielt in der Phytotherapie insgesamt eine wichtige, in der Tee-Therapie aber eine zentrale Rolle. Damit die therapeutische Qualität eines medizinischenTees garantiert werden kann, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Die Droge muss einen optimalen Standort für ihr Wachstum haben.
  • Der Anbau sollte unter kontrollierten Bedingungen stattfinden. Die Anwendung von Pestiziden muss stark eingeschränkt bleiben, die Anforderungen der Arzneibuch-Monographien sind einzuhalten.
  • Bei Wildsammlungen sollten sowohl die pharmazeutischen als auch die ökologischen Gesichtspunkte zum Tragen kommen.
  • Der optimale Zeitpunkt der Ernte ist einzuhalten.
  • Das Trocknungsverfahren darf weder zu heiß noch zu langsam erfolgen.

Solche Tees sind als wirksame Arzneimittel zu betrachten.

Buchtipp: Eine grundsätzliche Übersicht für die Indikationen einer modernen Tee-Therapie einschließlich der Art der Anwendung und Dosierung gibt mein in diesem Jahr erschienenes Buch „Praktische Tee-Therapie“, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, ISBN 3-8047-2204-0.

Prof. Dr. med. Volker Fintelmann
Arzt für Innere Medizin-Gastroenterologie
Carl Gustav Carus Akademie
Rissener Landstr. 193
22559 Hamburg
e-mail: info@carus-akademie.de

 

16.03.2006 Heilpflanzen Beschwerden
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