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Frauenbeschwerden „prämenstruell“ bis „postmenopausal“: Heilpflanzen statt Hormone?
Michael Popp, Neumarkt
Statement zum Thema
Rationale Phytopharmaka müssen ein Bestandteil der Kassenmedizin bleiben!
im Bereich der Phytotherapie sind in den letzten Jahren erhebliche Forschungsanstrengungen unternommen worden, um die seit Jahrhunderten bewährte Therapierichtung den modernen wissenschaftlichen Rationalität anzupassen. Deutschland nimmt bei dieser Forschung traditionell eine führende Position ein. In keinem Land der Welt werden so viele kontrollierte klinische Studien nach GCP (good clinical praxis) durchgeführt und wird so intensiv nach den pharmakologischen Wirkprinzipien von Heilpflanzen, Pflanzenextrakten und Einzelsubstanzen geforscht wie in Deutschland.
Auch im Bereich der Herstellung von hochwertigen pflanzlichen Arzneimitteln sind wir die Apotheke der Welt.
Mit der rationalen Phytotherapie kann heute die Medizin auf gut untersuchte, in ihrer Wirksamkeit belegte, nebenwirkungsarme, kostengünstige und somit budgetschonende Arzneimittel zurückgreifen.
Welche Gefahr droht?
Bereits in der Vergangenheit waren pflanzliche Arzneimittel von den restriktiven Maßnahmen, mit deren Hilfe der Gesetzgeber versuchte die Gesundheitskosten zu stabilisieren, überproportional betroffen.
Obwohl diese Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben was keinen überrascht, der mit den bestehenden Strukturen vertraut ist hat sich das Gesundheitsministerium entschlossen, mehr vom Gleichen zu unternehmen. Die nächste Aktion heißt: Positivliste.
Nach dem Willen des Gesetzgebers soll im Laufe das nächsten Jahres eine Positivliste verordnungsfähiger Medikamente entstehen, mit der der Arzneimittelmarkt zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen 100%ig reguliert werden soll. Von dieser Maßnahme verspricht man sich zweierlei Effekte: einen kostenstabilisierenden Einfluss und eine Qualitätssicherung in der medikamentösen Therapie.
Lassen Sie uns nachschauen, ob bzw. inwieweit diese Ziele mit den beschlossenen und zum Teil schon realisierten Schritten erreichbar sind.
- Erfahrungen aus den USA belegen, dass durch Listenmedizin keinerlei Spareffekte zu erreichen sind. Im Gegenteil: je kleiner die dem Arzt zur Verfügung gestellte Arzneimittelauswahl ist, desto teuerer werden die Medikamente, die er verordnet. Zusätzlich steigen auch die Kosten für andere therapeutischer Maßnahmen wie Krankenhausaufenthalte und ähnliches.
- Und wie sieht es mit der Qualitätssicherung aus? Denn Qualität und wissenschaftliche Rationalität bei der Patientenversorgung ist das Thema der heutigen Pressekonferenz, und Qualität in der Phytotherapie ist auch das Hauptanliegen des Komitee Forschung Naturmedizin e.V., dessen Vorsitzender ich bin. Das Gesetz schreibt vor, dass nur solche Wirkstoffgruppen in die Positivliste aufgenommen werden dürfen, die im „Einzelfall für eine zweckmäßige, ausreichende und notwendige Behandlung, Prävention oder Diagnostik von Krankheiten oder erheblichen Gesundheitsstörungen geeignet sind“. Die Sachverständigen sollen bei den auf den einzelnen Krankheitsfall bezogenen Bewertungen jeweils „einheitliche Urteilsstandards“ zugrunde legen. Nach der Begründung der GKV-Gesundheitsreform 2000 bedarf es der nachweisgestützten (evidence based) Medizin, um die Zielsetzung zu erreichen, ausschließlich geeignete Arzneimittel in der Liste aufzuführen.
Wie ich bereits betont habe, steht unser Komitee Forschung Naturmedizin e.V. für Transparenz in der Arzneimittelversorgung mit Phytopharmaka.
Die im Kuratorium unseres Vereins zusammengeschlossenen Firmen haben sich um die Ernsthaftigkeit ihres Anliegens zu unterstreichen diesbezüglich sogar einer Selbstverpflichtungs-Erklärung unterworfen.
Das ist Transparenz!
Ähnliches erwarten wir auch von der Sachverständigen-Kommission, die über die Arzneimittel für Millionen von Patienten entscheiden soll. Wir fordern, dass sie dies im Bewusstsein Ihrer Verantwortung nach transparenten Kriterien auch für pflanzliche Arzneimittel macht, und ihre Entscheidungen deshalb für jeden nachvollziehbar werden. Die Vorstellung, dass Millionen deutscher Versicherter auf eine adäquate Therapie verzichten müssen, weil einzelne Kommissionsmitglieder ihre ideologischen Beschränkungen pflegen, ist ethisch nicht vertretbar.
Ohne Transparenz gibt es keine Qualität!
Eine zwingende Konsequenz aus dieser Forderung ist dann, dass grundsätzlich
- gut untersuchte,
- wissenschaftlich belegte,
- rational begründete Phytopharmaka
genauso im Hauptteil dieser Liste ihren Platz finden wie chemisch-synthetische Präparate.
Sollte es bei der ursprünglichen Absicht bleiben, nach der alle Phytopharmaka in einem „Anhang landen“, wäre das ein massiver Eingriff in die Therapiefreiheit des Arztes. Und benachteiligt wäre in jedem Fall der Patient.
Helfen Sie uns bitte, die Phytotherapie als einen Bestandteil des Leistungskataloges der GKV zu sichern. Wir erwarten Transparenz, und damit eine adäquate Beurteilung der qualitätsgesicherten Phytotherapie. Nur dann wird die Patientenversorgung überhaupt zweckmäßig und wirtschaftlich bleiben.
Prof. Dr. Michael Popp
Vorsitzender des Komitee Forschung Naturmedizin e.V. (KFN)

Astrid Blank, Heidelberg
Statement zum Thema
Frauenbeschwerden „prämenstruell bis postmenopausal“: Wann sind pflanzliche Arzneimittel die richtige Wahl?
Frauen müssen sich in Ihrem Leben immer wieder gravierenden körperlichen Veränderungen stellen: In der Pubertät, in der Schwangerschaft und besonders in den Wechseljahren.
Bei vielen Frauen jedoch finden sich solche körperlichen und/oder neurovegetativen Symptome im Ablauf eines jeden Menstruationszyklus.
Das prämenstruelle Syndrom (PMS) stellt eine körperliche und/oder neurovegetative Symptomatik dar, die auf einer hormonellen Dysbalance beruht. Hier sind hormonelle Veränderungen, wie ein erhöhtes Östrogen bei vermindertem Progesteron in der Lutealphase (in der zweiten Zyklushälfte nach dem Eisprung), ein erniedrigtes Östrogen in der Lutealphase oder ein erhöhtes Prolaktin nachweisbar. Auch Schildddrüsenstörungen insbesondere eine Unterfunktion können zu einem solchen komplexen Beschwerdebild führen.
Die Kombination der Symptome, die die Frauen immer wieder zyklisch aufweisen, lassen meist auf die zugrundeliegenden hormonellen Fehlregulationen schließen. Die häufigsten Symptome sind hierbei
- psychische Veränderungen
wie gesteigerte Angst, Anspannung, Reizbarkeit oder auch Niedergeschlagenheit, Depression, Zerstreutheit, ebenso Kopfschmerz und Schwindel
- neben körperlichen Veränderungen
wie Brustschmerz, Wassereinlagerung und Gewichtszunahme sowie Blähbauch, Süßhunger, Rückenschmerz und Libidoverlust.
Über 100 verschiedene Symptome sind für das PMS bekannt, wobei die Besonderheit darin besteht, dass das Maximum der Beschwerden in der zweiten Zyklushälfte erreicht wird und diese dann meist mit Eintritt der Periodenblutung wieder zurückgehen.
Vielen Frauen wird bei diesem Beschwerdebild entweder keinerlei Hilfe angeboten, eine „Pillentherapie“ zur Stillegung des eigenen Zyklusgeschehens angeraten oder sogar eine antidepressive Psychopharmaka-Therapie empfohlen.
Die Phytotherapie bietet hier mit dem Gesamtextrakt von Vitex agnus castus (Mönchspfeffer) eine Therapieform, die eine Wiederherstellung des hormonellen Gleichgewichts ermöglicht. Das wissenschaftlich gesicherte dopaminerge Wirkprinzip von Agnus castus bewirkt eine Normalisierung der hypophysären Prolaktinsekretion und eine Harmonisierung des Östrogen/Progesteronverhältnisses. In zahlreichen Studien wurde so bereits der effektive Einsatz von Agnus castus in der Behandlung von hormonellen Dysregulationen, wie Zyklusstörungen, Mastodynie, PMS und auch Fertilitätsstörungen nachgewiesen.
Die tägliche Dosis liegt bei 30 bis 40 mg Extrakt der Gesamtdroge. Die Verträglichkeit von Agnus castus ist als gut bis sehr gut zu werten, wobei als eine sehr seltene Nebenwirkung Magenbeschwerden angegeben werden.
In gleicher Weise sind die hormonellen Veränderungen der klimakterischen Frau zu nennen, die sich bereits Jahre vor dem Versiegen der Eierstocksfunktion und dem Verschwinden der Menstruation finden.
Erste „Ausfallsymptome“ sind hormonell durch den fehlenden Eisprung im Verlust der Progesteronsekretion zu sehen (40. bis 50.Lebensjahr). Bei Verlust der Granulosazellfunktion folgt ein zunehmender Östrogendefizit (45. bis 55 Lebensjahr) und mit abnehmender Androgenproduktion erschöpft sich die Hormonproduktion der Frau (55. bis 65. Lebensjahr).
Im Zuge dieser Umstellung zeigen sich viele körperliche, geistige und seelische Beschwerden, welche die Akzeptanz und den Umgang mit dem neuen Lebensabschnitt erschweren. Die häufigsten Beschwerden sind Leistungsminderung, Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Libidoverlust, Gelenkbeschwerden, Trockenheit der Scheide und Harninkontinenz.
Die medizinische Begleitung in dieser schwierigen Zeit, die für viele Frauen eine Neuorientierung oder auch eine Notwendigkeit zum Umbruch darstellt, muss viele verschiedene Komponenten berücksichtigen und in ein individuelles Behandlungskonzept miteinbeziehen.
Für alle obengenannten Veränderungen steht oft nur das Angebot einer hormonellen Substitutionstherapie. Diese wird jedoch von den betroffenen Frauen immer mehr abgelehnt, aufgrund von Nebenwirkungen, Unverträglichkeiten und Kontraindikationen, als auch aufgrund der zunehmenden Angst vor möglicher Brustkrebsrisikosteigerung bei langfristiger Anwendung.
Pflanzliche Arzneimittel - hier die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) sind bei klimakterischen Ausfallerscheinungen mit vordergründigen vegetativen Beschwerden eine therapeutisch wirksame und nebenwirkungsarme Therapiealternative.
Die Wirkung und Wirksamkeit von Cimicifuga racemosa wurde bereits in zahlreichen Studien untersucht und belegt. Während aber früher allein eine „östrogenähnliche“ Wirkung angenommen wurde, ist diese Vorstellung heute eher umstritten. Vielfältige neuromodulatorische Wirkweisen konnten für die Unterdrückung der klimakterischen Beschwerden aufgezeigt werden.
In klinischen Studien wurde mehrfach gezeigt, dass sich nach Gabe von Cimicifuga racemosa die vegetativen Beschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Kopfschmerzen, Schwindel und Herzklopfen deutlich besserten und auch die psychischen Auffälligkeiten wie Nervosität, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen positiv beeinflusst wurden. Die Verträglichkeit dieser Therapie ist als gut bis sehr gut zu werten, wobei auch hier als eine sehr seltene Nebenwirkung Magenbeschwerden zu nennen sind.
Als wirksame Tagesdosis wird die zu 40 mg Wurzelstock äquivalente Menge an Trockenextrakt oder Tinktur empfohlen. Diese Therapieform unter Berücksichtigung der individuellen Lebenssituation zeigt einen der hormonellen Therapie entsprechenden therapeutischen Erfolg.
Das pflanzliche und individuell orientierte Therapiekonzept ermöglicht jedoch auch die Kombination mit lokal vaginalen Östrogenderivaten oder systemischen niedrigdosierten HST bei der oft schwer behandelbaren urogenitalen Atrophie oder bei persistierenden klimakterischen Symptomen.
Der Einsatz von Agnus castus in der Behandlung des Prämenstruellen Syndroms und von Cimicifuga racemosa in der Behandlung des Klimakterischen Syndroms macht eine individuelle, gut verträgliche und nebenwirkungsarme Therapie möglich!
Dr. med. Astrid Blank
Gynäkologin
Universität Frauenklinik
Voßstraße 9
D 69115 Heidelberg

Wolfgang Wuttke, Göttingen
Statement zum Thema
Phytohormone: Was wissen wir über die Wirkweise von Agnus castus und Cimicifuga racemosa?
In der Gynäkologie finden überwiegend Extrakte aus zwei Pflanzen Verwendung Agnus castus und Cimiciguga racemosa.
- Cimicifuga racemosa (Traubensilberkerze, indianisches Schlangenkraut, englisch black cohosh, snake root)
Extrakte aus dem Wurzelgeflecht (Rhizom) dieser Pflanze werden zur Behandlung klimakterischer Beschwerden verwendet. Einige klinische Studien die allerdings entweder nicht doppelblind oder nicht placebokontrolliert waren scheinen die Wirksamkeit dieser Therapie bei klimakterischen Beschwerden durch Cimicifuga-racemosa-Extrakte zu belegen.
Die tierexperimentelle "Menopausenforschung" bedient sich fast ausschließlich der ovarektomierten weißen Laborratte, bei der der kastrationsbedingte Östrogenmangel zur Erhöhung der Serum-LH-Spiegel führt. Diese können durch Estradiol und Extrakten aus Cimicifuga racemosa gesenkt werden. Da die LH-Sekretion in engem Zusammenhang mit dem klimakterischen Symptom (aufsteigende Hitzewallung oder neo-deutsch hot-flush) steht, wird diese Suppression häufig als östrogene Wirkung apostrophiert.
In früheren Untersuchungen konnten wir jedoch zeigen, dass es auch nicht-östrogene neurotrope Substanzen gibt, die über einen hypothalamischen Mechanismus ebenfalls die LH-Sekretion zu hemmen vermögen. Das erklärt möglicherweise auch die positiven Wirkungen eines "hormonfreien" kommerziell erhältlichen Cimicifuga-racemosa-Extraktes.
Estradiol und einige in Soja vorkommende Phytoöstrogene haben aber nicht nur hypothalamo/hypophysäre Wirkungen, sondern bewirken auch eine Proliferation des uterinen Endometriums. Eine langfristige östrogene Wirkung am Uterus, die nicht durch Gestagene antagonisiert wird, kann aber bei der Frau zum Endometriumkarzinom führen. Deshalb wurden in den vergangenen Jahren nicht-steroidale östrogen wirkende Substanzen entwickelt, die wünschenswerte Wirkungen in Knochen, Arterien und im ZNS ausüben, aber keine östrogene Wirkung am Uterus haben. Diese Substanzen werden selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren (SERM) genannt.
Eine fehlende uterine Wirkung von Extrakten aus Cimicifuga racemosa ist seit langen Jahren bekannt und es lag die Vermutung nahe, dass die in den Extrakten befindlichen Östrogensubstanzen möglicherweise auch SERM-Wirkungen haben. Deshalb untersuchen wir in den vergangenen Jahren die Wirkung des phytoöstrogenhaltigen Cimicifuga-racemosa-Extraktes BNO 1055. In ihm konnten wir eindeutig Bindung von Inhaltstoffen an Östrogenrezeptoren nachweisen. Ferner gelang uns der Nachweis, dass diese Substanzen in östrogenrezeptiven Zellen transaktivierend wirken, also in ihrer biologischen Aktivität ähnlich wie Estradiol 17ß.
Tierexperimentell gelang uns außerdem der Nachweis, dass der Cimicifuga-Extrakt nicht das uterine Gewicht steigert und auch keines der östrogenregulierten Gene im Uterus stimuliert. Eine östrogene Wirkung konnte dagegen an einigen Knochen-, Arterien- und ZNS-Parametern gemessen werden.
- Vitex agnus castus (Mönchspfeffer, Keuschlamm, englisch chaste tree)
Extrakte aus den getrockneten Früchten dieser Pflanze werden zur Therapie der prämenstruellen Symptomatik und der Gelbkörperschwäche verwendet.
Von vielen Frauen und ihrem sozialen Umfeld werden die "Tage vor den Tagen" häufig als störend oder quälend empfunden. Depressive Verstimmungen, aggressive Reizzustände sowie körperliche Beschwerden, insbesondere das prämenstruelle Brustspannen (die Mastodynie) werden als typische prämenstruelle Symptome (PMS) angegeben. Extrakte aus Vitex agnus castus, den Früchten des Keuschlamms, finden schon seit langer Zeit Verwendung bei der Therapie dieser Beschwerden, ohne dass der Wirkmodus wissenschaftlich geklärt war.
Uns ist im vergangenen Jahrzehnt der Nachweis gelungen, dass Agnus-castus-Extrakte dopaminerge Wirkprinzipien enthalten. An der Hypophyse bewirken diese dopaminergen Substanzen eine Hemmung der Prolaktin-Sekretion. Dadurch wird die bei vielen Frauen prämenstruell überschießende Prolaktin-Sekretion (= latente Hyperprolaktinämie) und die damit verbundene Stimulation des Drüsengewebes der Brustdrüse minimiert. Das führt zur signifikanten Reduktion der prämenstruellen Mastodynie.
Durch Hemmung der latenten Hyperprolaktinämie kommt es vermutlich auch zur Normalisierung der Corpus-luteum-Funktion und damit zur Steigerung der Fertilität. Andere, mehr im Bereich der Psyche liegende prämentruelle Symptome könnten ebenfalls durch dopaminerge Wirkprinzipien günstig beeinflusst werden, da viele dieser psychischen Funktionen durch mesolimbische dopaminerge Neurone moduliert werden. Tatsächlich konnten wir früher zeigen, dass ein synthetischer Dopaminagonist zahlreiche prämenstruelle Symptome günstig beeinflusste.
Prof. Dr. med. Wolfgang Wuttke
Universität Göttingen Frauenklinik
Leiter der Abteilung Klinische und Experimentelle Endokrinologie
Robert-Koch-Straße 40
D 37075 Göttingen

Volker Fintelmann, Hamburg
Statement zum Thema
Phytopharmaka: Woran erkennt man die Qualität eines Präparates?
Die Antwort auf diese Frage könnte sehr einfach lauten: an der Patientenzufriedenheit. Doch wird es sofort unterschiedlichste Gegenargumente geben, je nach politischer, wissenschaftlicher, psychologischer oder auch ideologischer Grundhaltung. Deshalb muss zunächst der Begriff „Qualität“ für ein Arzneimittel geklärt werden, und das gilt generell, nicht nur für Phytopharmaka.
Qualität führt uns auf eine Betrachtungsebene, die der medizinischen Denkart wegen ihrer engen, methodischen Ausrichtung Schwierigkeiten bereitet. Das wesentliche Erkenntniskriterium einer Evidence-based-medicine (EBM) ist ja die Quantität, das Meß-, Wäg- oder Zählbare, das letztlich statistisch Bewertbare. Dieser Anteil der Wirklichkeit ist wesentlich, jedoch nur ein Aspekt derselben. Ein anderer ist die Qualität, wieder ein anderer die Individualität usw. Die Wirklichkeit Mensch, seine Gesundheit und seine Möglichkeit zu erkranken, ist vieldimensional. Und eine Dimension, die sicher wesentlich ist und viel zu lange unterschätzt wurde, ist die Qualität.
Auf die Arzneimittel bezogen ist Qualität durch das pluralistische Arzneimittelgesetz 1976 (AMG 76) für drei Bereiche definiert worden:
• die pharmazeutische Qualität,
• die therapeutische Wirksamkeit,
• die Unbedenklichkeit.
Erstere ist eine entscheidende Voraussetzung für die beiden weiteren Merkmale. Die biologische Qualität der Ausgangsdroge eines Phytopharmakons, ihre Gleichmäßigkeit in der Zeit, der Wirkstoffgehalt und die richtige Aufbereitung z.B. als Extrakt, d.h. aber auch das richtige Auszugsmittel, die richtige Art der Zubereitung, alles das schafft Kriterien für die Bewertung der pharmazeutischen Qualität eines Phytopharmakons. Dass hier längst eine high-tech-Pharmazie Voraussetzung ist, hat sich herumgesprochen.
Die Kräuteressenz aus dem Hinterstübchen gehört der Vergangenheit an. Heute ist es ein Standard moderner Phytopharmaka, dass jeder Schritt vom Anbau und der Ernte der Pflanze bis zum fertigen Arzneimittel kontrolliert und dokumentiert wird und damit überprüfbar und reproduzierbar ist.
Therapeutische Wirksamkeit wiederum ist mehr als pharmakologisch geprüfte Wirkung. Sie beschreibt die Einflussnahme des Arzneimittels auf die verschiedenen Seinsebenen des Menschen, zu denen neben den richtunggebenden Befunden vor allem die körperliche Befindlichkeit, die seelische Gestimmtheit und auch die geistige Präsenz gehören. Auf diese meist unscharf „Lebensqualität“ genannte Ganzheit menschlichen Seins, welche Marktforscher heute auch als „Consumer-Lifetime-Value“ benennen, zielt therapeutische Wirksamkeit. Und dabei ist die Beeinflussung jeder dieser Ebenen gleichrangig. Weder darf die Befundebene zum Goldstandard der Bewertung einer Therapie gemacht, noch darf die Besserung des Befindens über alles andere gestellt werden.
Für diesen Aspekt der Qualität sind Phytopharmaka den meisten synthetischen Arzneimitteln überlegen, die zu einem großen Teil sehr gut auf pharmakologisch bewiesene Wirkungen, nicht jedoch auf therapeutische Wirksamkeit geprüft worden sind.
Und ein wirklicher Goldstandard der Qualität eines Arzneimittels ist seine Verträglichkeit oder Unbedenklichkeit. Das ethisch hohe Ziel des „nil nocere“ findet hier seinen Ausdruck, und eine Medizin, in welcher ein Drittel allen Krankseins iatrogenen Ursprungs ist, hätte doch längst infragegestellt werden müssen, wenn nicht ein „Ärztecorps“ (Illich) sie verteidigte und gegen die Empfindung der Laien am Leben hielte.
Die Verträglichkeit selbst bei Langzeitanwendungen ist ein herausragendes Kriterium für Phytopharmaka.
Die Qualität eines Arzneimittels bemisst sich aber auch an seiner Geeignetheit für die Prävention. Denn immer deutlicher wird die soziale Notwendigkeit, Krankheiten in ihren Früh- oder Latenzstadien zu erfassen und wirksam so zu behandeln, dass sie nicht manifest werden, bzw. ihrem Wiederauftreten entgegenzuwirken. Neben dem Gewinn für den Einzelnen wird dann auch die Gesellschaft volkswirtschaftlich profitieren. Und erneut stoßen wir auf einen Qualitätsaspekt, der Phytopharmaka häufig zu eigen ist. Qualität eines Arzneimittel ist schließlich aus sein Kosten-Nutzen-Potential. Sieht man dies auch volkswirtschaftlich und mit Blick auf eine wirkliche Lebensqualität, haben Phytopharmaka nicht selten einen Vorsprung gegenüber den synthetischen Arzneimitteln.
Solche Aspekte der Qualität von Arzneimitteln finden sich auch in den Sachverständigenbeurteilungen wieder, die als nationale, europäische (ESCOP) oder weltweit (WHO) Monographien verabschiedet wurden. Sie ganz nach Belieben zu benutzen oder zu ignorieren, zeigt schlechten wissenschaftlichen Stil. Blickt man als ein aktuelles Beispiel auf das Erstellen einer Positivliste, deren Sinn oder Wert hier nicht erörtert werden soll, so steht es außer Frage, dass moderne Phytopharmaka, die der hier beschriebenen Qualität entsprechen und zugleich Kriterien einer EBM erfüllen, in den Hauptteil einer solchen Liste gehören und nicht durch Ausgliedern in einen Anhang diskriminiert werden dürfen. Es wird sich einmal mehr an dem Ergebnis der Expertenkommission, welche die Liste erstellt, zeigen, ob eine wirklichkeitsgemäße und zugleich menschengerechte Bewertung erfolgte, oder ob wie so oft ideologisch-reduktionistische Elemente die Oberhand behielten.
Das Jahr 2000 birgt das Geheimnis, als ein Jahr „Null“ wie schon Goethe es formulierte das Nichts und auch das All in sich zu tragen. Werden die Kräfte vorherrschen, die Vergangenheitsdenken im Sinne eines mechanistisch-reduktionistischen Weltbildes in der Medizin tradieren und mit allen Mitteln verteidigen? Oder setzen sich zukunftsgerichtete Kräfte, wie sie immer stärker durch die Laien formuliert werden, durch, die das Alte nicht zerstören, aber Neues auf ihm aufbauen wollen? Und wird sich damit eine Medizin entwickeln, der Qualität von Arzneimitteln im umfassenden Sinne ebenso wichtig ist wie alle quantitativen Anteile derselben? Am Fortbestand oder Wegfall der Phytopharmaka werden wir beispielhaft eine Antwort bekommen.
Prof. Dr. med. Volker Fintelmann
Carl Gustav Carus Akademie
Rissener Landstraße 193
D 22559 Hamburg
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