Baldrianextrakte bessern den Schlaf ohne tagsüber müde zu machen
Heilpflanze behauptet sich auch im Vergleich mit synthetischen Mitteln
Zur Behandlung von nervös bedingten Einschlafstörungen verordnen Ärzte häufig synthetische Medikamente aus der Gruppe der Benzodiazepine. Besonderer Vorteil dieser Mittel: Sie wirken schnell und zuverlässig. Leider wird dieser Vorteil aber durch unerwünschte und manchmal auch gefährliche Begleiteffekte relativiert. Baldrian beruhigt dagegen gereizte Nerven, stabilisiert die Stimmung und fördert den Schlaf ohne solche Risiken. Seine Wirksamkeit ist durch die moderne Arzneipflanzenforschung in zahlreichen Studien bestätigt worden.
Nach einem „chemischen Schlaf“ wachen viele Menschen am nächsten Morgen mit einem „Kater“ auf, und nicht selten wird auch ihre Reaktionsfähigkeit durch das sogenannte „Rebound-Phänomen“ noch am nächsten Tag beeinträchtigt. Die Folge sind Fahrfehler beim Autolenken und Stürze durch unsicheren Gang. Die chemischen Schlafmittel haben überdies ein beträchtliches Abhängigkeits- und Suchtpotential. Anders stellt sich die Situation beim Einsatz von baldrianhaltigen Phytopharmaka dar. Mittlerweile liegen die Ergebnisse von mehreren kontrollierten klinischen Studien aus den letzten Jahren vor, die Extrakten aus der Baldrianwurzel nicht nur eine therapeutische Wirksamkeit bescheinigen, sondern ihnen auch als eine praktisch nebenwirkungsfreie Alternative zu den synthetischen Präparaten erscheinen lassen.
Hier einige Beispiele:
In einer randomisierten, doppelblinden, klinischen Vergleichsstudie der Arbeitsgruppe um M Dorn aus Elz wurden 75 schlafgestörte Patienten entweder mit Oxazepam aus der Gruppe der Benzodiazepine oder mit einem standardisierten Baldrianwurzel-Trockenextrakt behandelt. Die Schlafqualität verbesserte sich in beiden Gruppen signifikant, in der Oxazepam-Gruppe um 0,73 Punkte, in der Baldrian-Gruppe um 0,83 Punkte. 55 Prozent der Patienten in der Baldrian- und 70 Prozent in der Oxazepam-Gruppe beurteilten die Wirksamkeit der Medikation als „sehr gut“ bis „gut“. Fazit: Die Ergebnisse lassen auf eine gleichwertige Wirksamkeit von ausreichend dosiertem Baldrianextrakt und Oxazepam schließen.
Marianne Albrecht und Mitarbeiter von der Forschungsgemeinschaft für Verkehrssicherheit in Köln prüften in einer kontrollierten Doppelblind-Studie, wie sich ein pflanzliches Beruhigungsmittel aus Baldrian- und Melisse-Extrakt auf die Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und Reaktionszeit im Verkehr auswirkt. Das Ergebnis: Im Gegensatz zu Benzodiazepinen verursacht das Phytopharmakon keine messbaren Beeinträchtigungen der motorischen oder mentalen Leistungen. Auch unter Alkoholeinfluss sind solche Effekte durch das Phytopharmakon nicht zu erwarten (nachzulesen in ZFA 16,71. Jahrgang. 20.8.1995: 1215-1228).
Die Arbeitsgruppe von J. Kuhlmann und W. Berger von der Gesellschaft für Interdisziplinäre Medizinische Forschung (IMF) in Köln untersuchte die Baldrianwirkung bei 102 freiwilligen gesunden Versuchspersonen in einer doppelblinden Studie. Dabei sah man, dass sich die Reaktionsgeschwindigkeit von Probanden, die Flunitrazepam bekommen haben, deutlich verringerte. Baldrianextrakt beeinträchtigte dagegen die Fahrtüchtigkeit auch bei längerfristiger Anwendung nicht
Allerdings müssen Patienten, die mit Baldrian-Wurzel Extrakten behandelt werden, auf einen wichtigen Unterschied zu synthetischen Medikamenten aufmerksam gemacht werden: Die Wirkung des pflanzlichen Mittels tritt nicht schlagartig ein, sondern kann einige Tage auf sich warten lassen.
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